Arbeitsamt Linden
Im Arbeitsamt im Keller herrscht Gelassenheit. Laut Arbeitsvermittlerin Frau Galgon spricht die Ruhe dort für ein gutes Betriebsklima in der Albatros-AG. Die Arbeitslosenquote ist erstaunlich niedrig (durchschnittlich 3-5 Schüler bei 90 Erwerbstätigen), die Vermittlungsquote im Vergleich zum Arbeitsamt Hannover traumhaft, und auch bei Problemfällen durch selbstverschuldete Arbeitslosigkeit sei eine Reintegration möglich.
Frau Galgon ist hart, aber fair zu ihren Klienten.In den Sesseln arbeiten zwei Erwerbslose schweigend in einem Fortbildungsseminar im Bereich Mathematik (Grundrechenarten), ein anderer hat eine kurzfristige sechsstündige ABM "Kommunikation mit der Außenwelt" erhalten können und flitzt durch die Räume, um Stundenplanänderungen zu verkünden. Arbeitslose werden kompetent beraten, einiges an Informationsmaterial des hannoverschen Stammhauses liegt aus, auch an EDV-Unterstützung fehlt es nicht. Die "Unverschuldeten" werden in der Regel sehr schnell und freundlich wieder in den Arbeitsprozeß integriert; Arbeitsunwillige müssen allerdings auch mit einem rauen und bestimmten Umgangston rechnen und Bereitschaft zeigen, wenigstens an einer Fortbildung oder ABM teilzunehmen, wenn sie in den Genuss des Arbeitslosengeldes (60% vom Normallohn) kommen möchten.
hsBetriebstagebuch Jule
Datum: 19.09.2000
Arbeitsplatz: Arbeitsamt der IGS-Linden

Ich begann meine Arbeit um 8.00 Uhr. Vor dem Arbeitsamt saßen schon zwei Arbeitslose, die auf Antwort ihrer Bewerbungen warteten. Um 8.15 Uhr ging ich in die Personalabteilung und kümmerte mich darum. Beide bekamen einen Zeitvertrag über drei Stunden. Nachdem ich sie um 8.30 Uhr in die Produktion gebracht hatte, ging ich wieder an die Arbeit. Nun musste ich berechnen, wieviel Arbeitslosengeld die beiden noch bekommen mussten. Nachdem ich das erledigt hatte, ging ich in die Personalabteilung und ließ mir das Geld aushändigen. Um 9.00 Uhr brachte ich das Geld zu den beiden in die Produktion. Um 9.30 kam jemand und brachte meinen Lohn. Um 9.40 Uhr hatte ich Pause bis 9.50 Hur. Dann setzte ich mich an den Computer und tippte eine "Maßnahme für einen Arbeitslosen". Als ich dies um 10.10 Uhr fertig getippt hatte, kam eine Arbeitslose hinein. Ich nahm erst ihre Daten auf und schrieb mit ihr dann eine Bewerbung für eine neue Stelle, weil sie in der anderen gekündigt worden war. Danach brachte ich das Schreiben in die Personalabteilung.
Um 11.00 Uhr schrieb ich mit ihr noch einen "Widerspruch gegen die Kündigung", da sie sich durch die Kündigung ungerecht behandelt gefühlt hatte. Von 12.00 bis 12.45 Uhr sortierte ich Ordner und Unterlagen des Arbeitsamtes. 12.45 Uhr hatte ich Mittagspause bis 13.15 Uhr.
Von 13.15 - 15.30 Uhr (ich machte Überstunden) musste ich an einem "Merkblatt für Arbeitslose" arbeiten. Dann hatte ich frei!
 

Hier ein Infoblatt des Arbeitsamtes Linden:

Arbeitslos - was nun?

Erstmal:
Ihre persönliche Arbeitslosenmeldung ist unverzichtbare Anspruchsvoraussetzung zum Bezug von Arbeitslosengeld oder Arbeislosenhilfe!

Arbeitslosengeld: Wenn ja, wieviel?
Jetzt steht die Frage. Bekomme ich Arbeitslosengeld oder nicht? Es wird geprüft, ob es durch eigenes Verschulden zur Arbeitslosigkeit gekommen ist. Ist dies nicht der Fall, bekommen Sie bei uns im Lindener Arbeitsamt 60% des Lohns, den Sie vorher bekommen haben.

Sperrzeit bei selbst verschuldeter Arbeitslosigkeit
Es gibt jedoch auch die sogenannte Sperrzeit. Diese tritt ein, wenn Sie ohne wichtigen Grund Ihr Beschäftigungsverhältnis gelöst haben oder durch ein arbeitsvertragswidriges Verhalten Anlass für die Lösung des Beschäftigungsverhältnisses gegeben und dadurch die Arbeitslosigkeit zumindest grob fahrlässig herbeigeführt haben.
Nach Ablauf der Sperrfrist erhalten Sie Arbeitslosengeld.

Voraussetzungen für Leistungen des Arbeitsamtes
Sie müssen sich aktiv um eine Beschäftigung bemühen und jeder Zeit für die Vermittlungsbemühungen des Arbeitsamtes zur Verfügung stehen. Sie müssen auch bereit sein, an Maßnahmen der beruflichen Eingliederung (z.B. Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen) teilzunehmen.
Sie müssen bereit sein, jede zumutbare Beschäftigung anzunehmen.

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