"DIE TAGE DER COMMUNE"
>> Projekte >> Musik >> Theater

"DIE TAGE DER COMMUNE" am Sa, 17.06.2006, 19:00, IGS Linden


„Die Tage der Commune“ - das Theaterstück von Bertolt Brecht mit der Musik von Hanns Eisler wird am Samstag, 17. Juni um 19. Uhr in der IGS Linden gespielt. Von 30 Jugendlichen, die als Schauspieler und Musiker unter Leitung der Gruppe „Roter Pfeffer“ aus Bremen seit einem Jahr in der ganzen Republik bisher 13 Vorstellungen gegeben haben. Sie zeigen die Lehren aus der revolutionären Situation im Paris des Jahres 1871 - mit frappierenden Erkenntnissen zur aktuellen Situation. Eintrittskarten (10 € / 7 €) gibt es bei IG Metall und ver.di, im Freizeitheim Linden und in der IGS Linden.

Kontakte
Harald Kolbe, IG Metall Bezirksleitung (Koodination), Tel.: 0511 – 1 6406-45  E-Mail: harald.kolbe@igmetall.de

Marianne Pabst (Fachbereichsleiterin Ganztag), Tel. 1684 2220, Tel. 423117, E-Mail marpab@gmx.de, Homepage www.igs-linden.de,

Charly Braun (Mitglied im Vorstand des Schulelternrates, Tel. 456252

Hans-Dieter Keil-Süllow (Vorsitzender des Fördervereins), Tel 123 138 709, E-Mail keil@his.de, suellow@gmx.de

Der Förderverein der IGS Linden und der Schulelternrat sind Mit-Veranstalter. Die Aufführung findet im Rahmen der "Abende am Lindenberge" statt. In der Cafeteria bietet der Förderverein Snacks und Getränke an.

Plakat der Aufführung "Die Tage der Commune" am Sa, 17.06.2006 19:00 Uhr (als pdf 135 kb)

 
 
AUS >> www.wikipedia.de
Als Pariser Kommune wird der Pariser Stadtrat von 18. März 1871 bis 28. Mai 1871 bezeichnet, der gegen den Willen der Regierung versuchte, Paris nach sozialistischen Vorstellungen zu verwalten. Die Pariser Kommune gilt als Vorbild für die Rätedemokratie.
Nach der Niederlage der Franzosen bei Sedan im Deutsch-Französischen Krieg im September 1870 wurde im Innern Frankreichs die Ausrufung der Dritten Französischen Republik erzwungen, der Adolphe Thiers als Premierminister vorstand. Er hatte im Januar 1871 in Versailles mit Deutschland einen Waffenstillstand geschlossen, um revolutionären Unruhen im eigenen Land begegnen zu können. In der Nacht zum 18. März 1871 versuchten von ihm Beauftragte, die verteidigungsbereite Nationalgarde von Paris zu entwaffnen. Dies war der Anlass für den offenen Aufstand. Der gewählte Pariser Gemeinderat (franz. Commune) verkündete die allgemeine Volksbewaffnung und ordnete die Verteidigung von Paris sowohl gegen die vor den Toren der Hauptstadt stehenden deutschen Truppen als auch gegen die französischen konterrevolutionären Truppen an. Der Rat der Kommune begann mit sozialen, politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen des Volkes. Ab dem 21. Mai 1871 wurde in der so genannten „Blutwoche“ der Aufstand niedergeschlagen. Es wurden in den Kämpfen und den folgenden Massenexekutionen ca. 30.000 Personen getötet.
Sebastian Haffner: Die Pariser Kommune

Das Massaker an der Pariser Kommune bedeutet für die Weltrevolution dasselbe wie Golgatha für das Christentum.
Das Deutsche Reich hat fünfundsiebzig Jahre bestanden; die Pariser Kommune nur zweiundsiebzig Tage
. Aber nach hundert Jahren ist das deutsche Kaiserreich, das in Versailles proklamiert wurde, unwiederbringliche Vergangenheit, die Pariser Kommune immer noch unheimlich lebendige Gegenwart. Sie ist die Inspiration fast aller Revolutionen geworden, die das 20. Jahrhundert erschüttert haben.
Man könnte sagen: Das 20. Jahrhundert begann am 18. März 1871 in Paris.

In den zweiundsiebzig Tagen der Pariser Kommune ging es zum erstenmal um die Dinge, um die heute in aller Welt gerungen wird: Demokratie oder Diktatur, Rätesystem oder Parlamentarismus, Sozialismus oder Wohlfahrtskapitalismus, Säkularisierung, Volksbewaffnung, sogar Frauenemanzipation — alles das stand in diesen Tagen plötzlich auf der Tagesordnung. Von allem findet man in der Kommune spontane Urformen. Und so ist es kein Wunder, daß die Revolutionäre unseres Jahrhunderts sich immer wieder an die Pariser Kommune erinnert und auf sie berufen haben: Lenin ebenso wie die heutigen Antiautoritären des Westens.
Aber merkwürdig: Alle reden von der Kommune; wenige wissen, wie es zu ihr kam, wie sie sich abspielte und woran sie zugrunde ging. Ihr Mythos hat ihre Geschichte überwuchert. Die bürgerliche Kommuneliteratur hat sich jahrzehntelang an Verteufelung, die sozialistische an Glorifizierung der Kommune nicht genug tun können. Erst in jüngster Zeit ist es französischen Historikern gelungen, ein überzeugendes Gesamtbild zu zeichnen. Dabei haben sie eine Entdeckung gemacht, die vielleicht erst im Lichte dessen möglich war, was die Welt in den letzten dreißig Jahren in China, Jugoslawien, Algerien, Kuba und Vietnam erlebt hat: Die Pariser Kommune war die Frucht eines begonnenen und dann abgebrochenen Volkskrieges.
Die Franzosen waren im Herbst 1870 ganz dicht daran gewesen, das zu entdecken, was viele Jahrzehnte später Mao entdeckt hat: den revolutionären Volkskrieg, mit dem ein zum äußersten entschlossenes Land einen militärisch überlegenen Eroberer mattsetzen kann. Sie erkannten aber auch sehr schnell, daß eine bürgerliche Gesellschaft einen solchen Volkskrieg nicht führen kann, ohne sich selbst zu zerstören — und brachen das Experiment schleunigst ab. Mit dem Ergebnis, daß die frei- gesetzte und dann frustrierte Massenenergie nach innen explodierte. Es ist, als ob Leute mitten im 19. Jahrhundert mit Kernenergie herumexperimentiert und aus Versehen eine kleine Atombombe gezündet hätten.
Die Explosion des 18. März 1871 blieb den Zeitgenossen unerklärlich; sie erschien ihnen, je nachdem, wie ein Höllenspuk oder wie ein Himmelswunder. Aber sie war weder das eine noch das andere. Sie war ein politischer Atomblitz, der zunächst folgenlos verpuffte. Seine Ausschüttung aber hat das ganze 20. Jahrhundert radioaktiv durchsetzt. Und die kritische Masse, die die Explosion unvermeidlich machte, hatte sich im belagerten Paris des Winters 1870/71 angehäuft.
Daß unter solchen Umständen vieles nicht klappte und vieles, was als Gesetz dekretiert wurde, auf dem Papier blieb, versteht sich von selbst. Jede Regierung, auch die solideste und gefestigtste, wird durch Krieg und Bürgerkrieg aus der Bahn geworfen. Das Erstaunliche ist, wie sehr es der Kommune trotz aller Nöte und Zwänge des Bürgerkrieges gelungen ist, ihr politisches Wesen und Wollen zu artikulieren. Daß sie, nach ihrer so kurzen und so furchtbar bedrängten Existenz, immer noch heiß umstritten bleibt als eines der aufregendsten politischen Experimente aller Zeiten, ist nicht ihre geringste Leistung.
Uber die Pariser Kommune gibt es nicht, wie über so viele andere dramatischen Ereignisse der Geschichte, lediglich eine Legende; es gibt vier, je zwei von ihren Feinden und von ihren Freunden:
—Die ältere Legende ihrer Feinde — und sie wirkt immer noch nach — malt ein Bild wüster Schreckensherrschaft; für sie war die Kommune eine Dauerorgie blutrünstiger Mordbrenner.
—Heute wird das kaum mehr ernsthaft behauptet. Statt dessen wird die Pariser Kommune nun von ihren Feinden mit herablassender Süffisanz als ein im Grunde hoffnungsloses administratives Durcheinander dargestellt, angerichtet von wohlmeinender Unfähigkeit.
— Die ältere Legende der Freunde stammt von niemand geringerem als Marx und Engels. Für Engels war die Kommune die Wirklichkeit gewordene Diktatur des Proletariats; für Marx »die endlich entdeckte politische Form, unter der die Befreiung der Arbeit sich vollziehen konnte«. Auch das wird heute kaum mehr behauptet — am wenigstens in der Sowjetunion, wo man gerade aus den Fehlern der Kommune gelernt zu haben glaubt und alles ganz anders macht.
Statt dessen gibt es heute eine neue »linke« Kommunelegende, die sie als ein idyllisches Utopia, als ideale herrschaftsfreie Räteterepublik begreift.
Keine dieser vier gängigen Lesarten der Kommune deckt sich mit ihrer Wirklichkeit. Die Kommune war keine Diktatur von Schreckensmännern. Sie war eine frei und ordnungsgemäß gewählte demokratische Stadtverordnetenversammlung von zweiendneunzig größtenteils jungen Abgeordneten (Durchschnittsalter siebenunddreißig Jahre), darunter zunächst einundzwanzig ausgesprochen Konservativen, die in den wohlhabenden Stadtteilen gewählt worden waren. Im Laufe des April, als es gefährlich wurde, zur Kommune zu gehören, legten diese einundzwanzig bürgerlichen Kommunemitglieder ihr Mandat nieder, worauf sie durch vollkommen normale Nachwahlen ersetzt wurden; ihnen selbst wurde kein Haar gekrümmt.
In der Zeit vom 26. März 1871, dem Tag, an dem die Wahlen zur Kommune stattfanden, bis zum 21. Mai, dem Einbruch der Versailler Regierungstruppen, ist in der französischen Hauptstadt kein Tropfen Blut geflossen. Die Pariser Kommune hatte kein Revolutionstribunal und keine Tscheka. Bezeichnenderweise hat ihr Lenin später als einen der Gründe für die Niederlage gerade ihre Großmut gegenüber ihren Feinden vorgeworfen.
Die Kommune war auch kein Narrenhaus weltfremder Weltverbesserer. Im Gegenteil, man muß das Improvisations- und Organisationstalent bewundern, mit dem sie die kommunalen Aufgaben bewältigte. Sie übernahm immerhin eine durch Belagerung, Hungersnot, Beschießung und Massenexodus schwer zerrüttete Zwei-Millionen-Stadt, die am 18. März durch die Flucht der staatlichen Behörden aller ihrer Verwaltungsorgane beraubt worden war.
Sie bestand auch nicht aus geschulten Kommunalbeamten, sondern aus Amateuren — Politikern, Journalisten, kleinen Geschäftsleuten und Arbeitern. Aber diese Amateure arbeiteten mit Eifer und Hingabe und bemerkenswertem praktischem Verstand, und das Chaos, das nach dem 18. März fast unvermeidlich schien, wurde niemals Wirklichkeit.