Elternbrief  des Schulelternrates der IGS Linden
1/2001   14.02.2001   Zwangsprofil-Oberstufe
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Juli 1998 Ziel und Struktur der gymnasialen Oberstufe heute
18.12.2000 Presseerklärung des Kultusministeriums zur Einführung der Profiloberstufe
2000/2001 Gymnasiale Oberstufe/Profiloberstufe in der Diskussion
14.02.2001 Elternbrief: Keine Zwangseinführung der Profiloberstufe
An die Eltern, Schülerinnen und Schüler der IGS Linden
Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe soll zum März beschlossen werden.
Deshalb: Der Protest muss jetzt kommen oder nie.

Ab dem kommenden Schuljahr beginnt auf der Grundlage der Empfehlungen des "Runden Tisch Sekundarbereich II" die Neugestaltung der Oberstufe der Gymnasien, Gesamtschulen und Fachgymnasien. Ab  1. August 2002 sollen dann alle allgemeinbildenden Schulen mit gymnasialer Oberstufe verpflichtet werden,  in der „Kursstufe" Fachkombinationen (Profile) zur Wahl für die Schüler anzubieten. Was das für die Schülerinnen und Schüler bedeutet, die auf der IGS Linden bislang die Freiheit haben, ihre vier Prüfungsfächer frei zu wählen und so die Schule ihren Neigungen, Interessen und Fähigkeiten entsprechend zu gestalten, wollen wir im folgenden darstellen und alle Eltern, Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, gegen diese „Reform" zu protestieren.

„Oberstufe" = „Vorstufe" + „Kursstufe"
Die gymnasiale Oberstufe besteht aus der „Vorstufe" im elften Schuljahr, die im Klassenverband stattfindet und die gemeinsamen Grundlagen für die „Kursstufe" vermittelt.
In der „Kursstufe" können bislang die Schülerinnen und Schüler aus dem Angebot der Schule die Fächer nach ihren Interessen wählen, müssen allerdings bei der Wahl bereits erhebliche Auflagen beachten. So sind sie verpflichtet, Kurse in bestimmten Fächern wie Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften in jedem Halbjahr zu belegen (Belegungsverpflichtungen).

Sinnvolle Verbesserungen sind auch bei Beibehaltung des Kurssystems möglich
Sicherlich sind Verbesserungen in der gymnasialen Oberstufe sinnvoll und notwendig. Aber diese Verbesserungen sind auch möglich, wenn das Kurssystem beinehalten wird. Eine grundsätzliche Änderung der gymnasialen Oberstufe hält der Schulelternrate der IGS Hannover-Linden nicht für erforderlich, um Verbesserungen der gymnasialen Oberstufe im Sinne einer Verstärkung der naturwissen-
schaftlichen Bildung und fächerübergreifenden Zusammenarbeit  zu erreichen.

Statt Autonomie und Beteiligung der Betroffenen mit Zwang und „Hau-Ruck"
Eine „Hau-Ruck-Reform" durch Zwangseinführung der Profiloberstufe ohne Diskussion an den Schulen und durch weitere entscheidende Einschränkungen der Wahlfreiheit der Schüler lehnt der Schulelternrat der IGS Linden ab. Statt die Autonomie der gymnasialen Oberstufen in Hannover dadurch zu stärken, dass ihnen Anreize zur Entwicklung eigener Profile gegeben werden und zunächst Erfahrungen mit Profiloberstufen  an denjenigen Gymnasien zu sammeln, die das Interesse an dieser Möglichkeit der Weiterentwicklung ihrer Schule haben, droht nach äußerst kurzer Phase der Diskussion die Verordnung für alle gymnasiale Oberstufen.
Die Diskussion mit den Eltern und den Schülern in den Schulen fand bislang nicht statt.
Der Schulelternrat der IGS Linden beklagt, dass Eltern, Schülerinnen und Schüler der Gymnasien und Gesamtschulen nicht ausreichend informiert werden. Die rein formale Anhörung von Lehrerverbänden, Landeselternrat und Landesschülerrat ohne die Diskussion in den Schulen über so eine grundlegende Veränderung reicht nicht aus.

Zurück zum Klassensystem mit naturwissenschaftlichem und sprachlichem Zweig
Die „Reform" bedeutet den Rückschritt zum Klassensystem mit 16 gemeinsamen Stunden und mit naturwissenschaftlichem und sprachlichem Zweig.
Der Schulelternrat der IGS Linden weist darauf hin, dass es gute Gründe gegeben hat, vom Klassensystem mit naturwissenschaftlichem und sprachlichem Zweig abzugehen, um durch ein Kurswahlsystem mehr Chancengleichheit und Wahlfreiheit für die Schüler zu ermöglichen.

Die Freiheiten der Schüler bei der Wahl der Fächer werden eingeschränkt
Die Freiheit der Fächerwahl wird entscheidend eingeschränkt.
Mit der an einem "Runden Tisch" unter Ausschluss der großen gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen entwickelten Profiloberstufe wird die bislang mögliche Freiheit der Schüler eingeschränkt auf die Wahl von Profilen, die die Schule anbietet. Verpflichtend ist das Angebot eines mathematisch- naturwissenschaftlichen Profils, hinzukommen kann ein sprachlich-literarisches, musisch-künstlerisches oder gesellschafts- wissenschaftliches Profil, wenn genügend Schüler diese Profile anwählen und wenn geeignetes Lehrpersonal in diesen Fächern vorhanden ist.
Jeder Pädagoge weiß , dass Neigung und Interesse  die Leistung erhöhen.
Es ist eine pädagogische Binsenweisheit, dass Schülerinnen und Schülern in den Fächern besondere Leistungsbereitschaft entwickeln, die ihren Neigungen und individuellen Begabungen entgegenkommen. Bei einer Einschränkung der Wahlmöglichkeit sind schlechtere Abschlüsse zu erwarten. Es ist zu befürchten, dass die in Niedersachsen schon niedrige Abiturientenquote nach dieser "Reform" noch weiter sinken wird.

Auflagen und Aufgabenfelder schränken schon jetzt die Wahl der Fächer ein
Schon jetzt sind die Wahlmöglichkeiten einschränkt durch Auflagen. Diese Auflagen geben z.B. vor, dass bei vier Prüfungsfächern jedes der drei Aufgabenfeldern (dem sprachlich-literarisch-künstlerischem, dem gesellschaftswissenschaftlichen und dem mathema-tisch-naturwissenschaftlichen) vertreten ist. Die Auflagen sind schon jetzt so kompliziert, dass an Schulen selbst programmierte Kurswahlprogramme zur Beratung der Schüler eingesetzt werden. Auflagen bei der Wahl der Prüfungsfächer und Belegungsverpflichtungen in der gesamten Oberstufe in Deutsch, Fremdsprache, Mathematik und Naturwissenschaften sorgen schon jetzt dafür, dass diese Fächer besonderes Gewicht erhalten. Andere Fächer wie Musik und Kunst werden hingegen schon jetzt benachteiligt, Informatik den anderen Naturwissenschaften nicht gleichgestellt.

Deutsch und Mathematik haben schon jetzt ein besonderes Gewicht
Es ist leicht zu erklären, dass über 50 Prozent Deutsch und Mathe als Kursfächer anwählen.
Einige der in der Presserklärung vom 8.12.2000 angeführten Begründungen hält der Schulelternrat der IGS Linden nicht für stichhaltig. So beklagt die Ministerin, dass zwischen 1991 und 1998 nur 17 bzw. 13 Prozent Physik als Prüfungsfach wählten und  1998 nur 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler Chemie,  "Mathematik und Deutsch wählten dagegen über 50 Prozent als Prüfungsfach, auch die Biologie liegt auf dieser Anwahlhöhe." Wer weiß, dass eines der vier Prüfungsfächer  Deutsch oder eine weitergeführte Fremdsprache oder Mathematik sein muß, eines der Leistungsfächer ebenfalls Deutsch,eine Fremdsprache oder Mathematik  oder eine Naturwissenschaft sein muss und  - ist nur Deutsch Leistungsfach - als drittes oder viertes Prüfungsfach eine Fremdsprache oder Mathematik gewählt werden muss, kann nachvollziehen, dass Mathematik und Deutsch zu den am häufigsten angewählten Prüfungsfächern gehören.

Eine Stärkung der Naturwissenschaften ist durch Belegverpflichtungen und Einstellung von mehr Physiklehrkräften möglich
Die von der Ministerin genannten Ziele lassen sich auch ohne Zerschlagung des Kurssystemes realisieren.
Die Stärkung des naturwissenschaftlichen Unterrichtes hält der Schulelternrat der IGS Linden ebenfalls für sinnvoll. Aber dieses Ziel ist durch Belegungsverpflich-tungen oder Änderungen der Auflagen jederzeit zu erreichen sei. Für die Einführung von naturwissen-schaftlichem Wahlpflichtunterricht in der Sekundarstufe I und die Verstärkung fächerübergreifender Kompeten-
zen durch eine zusätzliche "Profilstunde" ist ebenfalls keine grundlegende Änderung des Kurssystems erforderlich. Ein erster Schritt, um Physik zu einem interessanterem Fach zu machen, wäre allerdings eine ausreichende Versorgung mit Physiklehrkräften.  Fächerübergreifendes und fächerverbindendes Lernen wäre auch jetzt schon möglich, wenn das Kultusministerium die Benachteiligung von Projektkursen durch den bestehenden Erlass beseitigen,  die Entwicklung und Realisierung von Konzepten fördern und bereits durchgeführte fächerübergreifende Projekte auszeichnen würde.

Eine für „kleine" Oberstufen sinnvolle Selbstbeschränkung wird „großen" Oberstufen übergestülpt
Die Einführung der Profiloberstufe benachteiligt "große" gymnasiale Oberstufen und schränken auch bisherige Profile der "kleinen" gymnasialen Oberstufen ein.
Für kleine gymnasiale Oberstufen kann die Einführung der Profiloberstufe eine Möglichkeit für einen rationellen Lehrereinsatz bei einem deutlichen und attraktiven pädagogischen Profil bedeuten, für große gymnasiale Oberstufen bedeutet die Einführung der Profiloberstufe neben der Einschränkung der Wahlmöglichkeiten der Schüler und Schülerinnen eine wesentliche Einschränkung des pädagogischen Angebotes.

Das Angebot „profilierter" Gymnasien und „breiter" Oberstufen von Gesamtschulen in Hannover könnte sich ergänzen
In Hannover existiert ein vielfältiges Angebot an Gymnasien, die sich in ihren Profilen ergänzen könnten. Die Verordnung eines naturwissenschaftlichen Profils bei allen Gymnasien könnte alledings auch zu einer Einschränkung bereits aufgebauter pädagogischer Profile mit anderen Schwerpunkten führen.

Vielfalt in den gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen = Chancengleichheit
Die gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen werden von einer Schülerschaft besucht, die sich von der Schülerschaft eines Gymnasiums dadurch unterscheidet, dass sie zu einem großen Teil nicht von der eigenen Sekundarstufe I kommen. Die Schülerschaft ist also erheblich heterogener.
Die am häufigsten gewählten Leistungsfachkombina-tionen finden sich in keinem der genannten Profile wieder. Im Schuljahr 2000/2001 wurden von 48 möglichen Kombination an der IGS Linden 35 ausgewählt. Wir wollen dass, das diese Möglichkeit erhalten bleibt.
Wird die Gesamtschule gezwungen, ihr breites Angebot auf Profile zu beschränken; können die Schüler nicht mehr ihren Interessen gemäß ihre Prüfungsfächer wählen oder die Lehrkräfte anwählen, zu denen sie gute persönliche Beziehungen aufbauen können, dann werden viele Schülerinnen und Schüler den Weg zum Abitur nicht finden. Die erzwungene Einführung von Profiloberstufen ist ein neues Ausleseinstrument.

Protestiert gegen die Zwangseinführung der Profiloberstufe - schickt der Ministerin Postkarten mit Eurem Protest
Der Schulelternrat der IGS Hannover-Linden hat Postkarten vorbereitet, die im Fach des Schulelternrates zu finden sind. Wir bitten Euch - unterstützt den Protest, indem Ihr Postkarten ausfüllt und der Frau Ministerin schickt - oder gesammelt im Kultusministerium abgibt.

Kontakte
Detlef Mauritz   (10c), Tel. 233 02 82 pr., 150 10 di, FAX 368 13 25
Inken Küsters-Kemm  (9e),  Tel. 161 44 88 pr, 366 44 25 di, Inken.Kuesters-Kemm@web.de
Hans-Dieter Keil-Süllow (13), Tel. 71 59 30 pr, 12 20 268 di, keil@his.de

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