An
die Eltern, Schülerinnen und Schüler der IGS Linden
Ab dem kommenden Schuljahr beginnt auf der Grundlage der Empfehlungen des "Runden Tisch Sekundarbereich II" die Neugestaltung der Oberstufe der Gymnasien, Gesamtschulen und Fachgymnasien. Ab 1. August 2002 sollen dann alle allgemeinbildenden Schulen mit gymnasialer Oberstufe verpflichtet werden, in der „Kursstufe" Fachkombinationen (Profile) zur Wahl für die Schüler anzubieten. Was das für die Schülerinnen und Schüler bedeutet, die auf der IGS Linden bislang die Freiheit haben, ihre vier Prüfungsfächer frei zu wählen und so die Schule ihren Neigungen, Interessen und Fähigkeiten entsprechend zu gestalten, wollen wir im folgenden darstellen und alle Eltern, Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, gegen diese „Reform" zu protestieren.
„Oberstufe" = „Vorstufe" + „Kursstufe"
Die gymnasiale Oberstufe besteht
aus der „Vorstufe" im elften Schuljahr, die im Klassenverband stattfindet
und die gemeinsamen Grundlagen für die „Kursstufe" vermittelt.
In der „Kursstufe" können bislang
die Schülerinnen und Schüler aus dem Angebot der Schule die Fächer
nach ihren Interessen wählen, müssen allerdings bei der Wahl
bereits erhebliche Auflagen beachten. So sind sie verpflichtet, Kurse in
bestimmten Fächern wie Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften
in jedem Halbjahr zu belegen (Belegungsverpflichtungen).
Sinnvolle Verbesserungen sind auch bei Beibehaltung
des Kurssystems möglich
Sicherlich sind Verbesserungen in
der gymnasialen Oberstufe sinnvoll und notwendig. Aber diese Verbesserungen
sind auch möglich, wenn das Kurssystem beinehalten wird. Eine grundsätzliche
Änderung der gymnasialen Oberstufe hält der Schulelternrate der
IGS Hannover-Linden nicht für erforderlich, um Verbesserungen der
gymnasialen Oberstufe im Sinne einer Verstärkung der naturwissen-
schaftlichen Bildung und fächerübergreifenden
Zusammenarbeit zu erreichen.
Statt Autonomie und Beteiligung der Betroffenen
mit Zwang und „Hau-Ruck"
Eine „Hau-Ruck-Reform" durch Zwangseinführung
der Profiloberstufe ohne Diskussion an den Schulen und durch weitere entscheidende
Einschränkungen der Wahlfreiheit der Schüler lehnt der Schulelternrat
der IGS Linden ab. Statt die Autonomie der gymnasialen Oberstufen in Hannover
dadurch zu stärken, dass ihnen Anreize zur Entwicklung eigener Profile
gegeben werden und zunächst Erfahrungen mit Profiloberstufen
an denjenigen Gymnasien zu sammeln, die das Interesse an dieser Möglichkeit
der Weiterentwicklung ihrer Schule haben, droht nach äußerst
kurzer Phase der Diskussion die Verordnung für alle gymnasiale Oberstufen.
Die Diskussion mit den Eltern und
den Schülern in den Schulen fand bislang nicht statt.
Der Schulelternrat der IGS Linden
beklagt, dass Eltern, Schülerinnen und Schüler der Gymnasien
und Gesamtschulen nicht ausreichend informiert werden. Die rein formale
Anhörung von Lehrerverbänden, Landeselternrat und Landesschülerrat
ohne die Diskussion in den Schulen über so eine grundlegende Veränderung
reicht nicht aus.
Zurück zum Klassensystem mit naturwissenschaftlichem
und sprachlichem Zweig
Die „Reform" bedeutet den Rückschritt
zum Klassensystem mit 16 gemeinsamen Stunden und mit naturwissenschaftlichem
und sprachlichem Zweig.
Der Schulelternrat der IGS Linden
weist darauf hin, dass es gute Gründe gegeben hat, vom Klassensystem
mit naturwissenschaftlichem und sprachlichem Zweig abzugehen, um durch
ein Kurswahlsystem mehr Chancengleichheit und Wahlfreiheit für die
Schüler zu ermöglichen.
Die Freiheiten der Schüler bei der Wahl
der Fächer werden eingeschränkt
Die Freiheit der Fächerwahl
wird entscheidend eingeschränkt.
Mit der an einem "Runden Tisch"
unter Ausschluss der großen gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen
entwickelten Profiloberstufe wird die bislang mögliche Freiheit der
Schüler eingeschränkt auf die Wahl von Profilen, die die Schule
anbietet. Verpflichtend ist das Angebot eines mathematisch- naturwissenschaftlichen
Profils, hinzukommen kann ein sprachlich-literarisches, musisch-künstlerisches
oder gesellschafts- wissenschaftliches Profil, wenn genügend Schüler
diese Profile anwählen und wenn geeignetes Lehrpersonal in diesen
Fächern vorhanden ist.
Jeder Pädagoge weiß ,
dass Neigung und Interesse die Leistung erhöhen.
Es ist eine pädagogische Binsenweisheit,
dass Schülerinnen und Schülern in den Fächern besondere
Leistungsbereitschaft entwickeln, die ihren Neigungen und individuellen
Begabungen entgegenkommen. Bei einer Einschränkung der Wahlmöglichkeit
sind schlechtere Abschlüsse zu erwarten. Es ist zu befürchten,
dass die in Niedersachsen schon niedrige Abiturientenquote nach dieser
"Reform" noch weiter sinken wird.
Auflagen und Aufgabenfelder schränken schon
jetzt die Wahl der Fächer ein
Schon jetzt sind die Wahlmöglichkeiten
einschränkt durch Auflagen. Diese Auflagen geben z.B. vor, dass bei
vier Prüfungsfächern jedes der drei Aufgabenfeldern (dem sprachlich-literarisch-künstlerischem,
dem gesellschaftswissenschaftlichen und dem mathema-tisch-naturwissenschaftlichen)
vertreten ist. Die Auflagen sind schon jetzt so kompliziert, dass an Schulen
selbst programmierte Kurswahlprogramme zur Beratung der Schüler eingesetzt
werden. Auflagen bei der Wahl der Prüfungsfächer und Belegungsverpflichtungen
in der gesamten Oberstufe in Deutsch, Fremdsprache, Mathematik und Naturwissenschaften
sorgen schon jetzt dafür, dass diese Fächer besonderes Gewicht
erhalten. Andere Fächer wie Musik und Kunst werden hingegen schon
jetzt benachteiligt, Informatik den anderen Naturwissenschaften nicht gleichgestellt.
Deutsch und Mathematik haben schon jetzt ein
besonderes Gewicht
Es ist leicht zu erklären,
dass über 50 Prozent Deutsch und Mathe als Kursfächer anwählen.
Einige der in der Presserklärung
vom 8.12.2000 angeführten Begründungen hält der Schulelternrat
der IGS Linden nicht für stichhaltig. So beklagt die Ministerin, dass
zwischen 1991 und 1998 nur 17 bzw. 13 Prozent Physik als Prüfungsfach
wählten und 1998 nur 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler
Chemie, "Mathematik und Deutsch wählten dagegen über 50
Prozent als Prüfungsfach, auch die Biologie liegt auf dieser Anwahlhöhe."
Wer weiß, dass eines der vier Prüfungsfächer Deutsch
oder eine weitergeführte Fremdsprache oder Mathematik sein muß,
eines der Leistungsfächer ebenfalls Deutsch,eine Fremdsprache oder
Mathematik oder eine Naturwissenschaft sein muss und - ist
nur Deutsch Leistungsfach - als drittes oder viertes Prüfungsfach
eine Fremdsprache oder Mathematik gewählt werden muss, kann nachvollziehen,
dass Mathematik und Deutsch zu den am häufigsten angewählten
Prüfungsfächern gehören.
Eine Stärkung der Naturwissenschaften ist
durch Belegverpflichtungen und Einstellung von mehr Physiklehrkräften
möglich
Die von der Ministerin genannten
Ziele lassen sich auch ohne Zerschlagung des Kurssystemes realisieren.
Die Stärkung des naturwissenschaftlichen
Unterrichtes hält der Schulelternrat der IGS Linden ebenfalls für
sinnvoll. Aber dieses Ziel ist durch Belegungsverpflich-tungen oder Änderungen
der Auflagen jederzeit zu erreichen sei. Für die Einführung von
naturwissen-schaftlichem Wahlpflichtunterricht in der Sekundarstufe I und
die Verstärkung fächerübergreifender Kompeten-
zen durch eine zusätzliche
"Profilstunde" ist ebenfalls keine grundlegende Änderung des Kurssystems
erforderlich. Ein erster Schritt, um Physik zu einem interessanterem Fach
zu machen, wäre allerdings eine ausreichende Versorgung mit Physiklehrkräften.
Fächerübergreifendes und fächerverbindendes Lernen wäre
auch jetzt schon möglich, wenn das Kultusministerium die Benachteiligung
von Projektkursen durch den bestehenden Erlass beseitigen, die Entwicklung
und Realisierung von Konzepten fördern und bereits durchgeführte
fächerübergreifende Projekte auszeichnen würde.
Eine für „kleine" Oberstufen sinnvolle
Selbstbeschränkung wird „großen" Oberstufen übergestülpt
Die Einführung der Profiloberstufe
benachteiligt "große" gymnasiale Oberstufen und schränken auch
bisherige Profile der "kleinen" gymnasialen Oberstufen ein.
Für kleine gymnasiale Oberstufen
kann die Einführung der Profiloberstufe eine Möglichkeit für
einen rationellen Lehrereinsatz bei einem deutlichen und attraktiven pädagogischen
Profil bedeuten, für große gymnasiale Oberstufen bedeutet die
Einführung der Profiloberstufe neben der Einschränkung der Wahlmöglichkeiten
der Schüler und Schülerinnen eine wesentliche Einschränkung
des pädagogischen Angebotes.
Das Angebot „profilierter" Gymnasien und „breiter"
Oberstufen von Gesamtschulen in Hannover könnte sich ergänzen
In Hannover existiert ein vielfältiges
Angebot an Gymnasien, die sich in ihren Profilen ergänzen könnten.
Die Verordnung eines naturwissenschaftlichen Profils bei allen Gymnasien
könnte alledings auch zu einer Einschränkung bereits aufgebauter
pädagogischer Profile mit anderen Schwerpunkten führen.
Vielfalt in den gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen
= Chancengleichheit
Die gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen
werden von einer Schülerschaft besucht, die sich von der Schülerschaft
eines Gymnasiums dadurch unterscheidet, dass sie zu einem großen
Teil nicht von der eigenen Sekundarstufe I kommen. Die Schülerschaft
ist also erheblich heterogener.
Die am häufigsten gewählten
Leistungsfachkombina-tionen finden sich in keinem der genannten Profile
wieder. Im Schuljahr 2000/2001 wurden von 48 möglichen Kombination
an der IGS Linden 35 ausgewählt. Wir wollen dass, das diese Möglichkeit
erhalten bleibt.
Wird die Gesamtschule gezwungen,
ihr breites Angebot auf Profile zu beschränken; können die Schüler
nicht mehr ihren Interessen gemäß ihre Prüfungsfächer
wählen oder die Lehrkräfte anwählen, zu denen sie gute persönliche
Beziehungen aufbauen können, dann werden viele Schülerinnen und
Schüler den Weg zum Abitur nicht finden. Die erzwungene Einführung
von Profiloberstufen ist ein neues Ausleseinstrument.
Protestiert gegen die Zwangseinführung
der Profiloberstufe - schickt der Ministerin Postkarten mit Eurem Protest
Der Schulelternrat der IGS Hannover-Linden
hat Postkarten vorbereitet, die im Fach des Schulelternrates zu finden
sind. Wir bitten Euch - unterstützt den Protest, indem Ihr Postkarten
ausfüllt und der Frau Ministerin schickt - oder gesammelt im Kultusministerium
abgibt.
Kontakte
Detlef Mauritz (10c),
Tel. 233 02 82 pr., 150 10 di, FAX 368 13 25
Inken Küsters-Kemm (9e),
Tel. 161 44 88 pr, 366 44 25 di, Inken.Kuesters-Kemm@web.de
Hans-Dieter Keil-Süllow (13),
Tel. 71 59 30 pr, 12 20 268 di, keil@his.de
Homepage
des Bundeselternrates
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des Landeselternrates
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des Stadtelternrates Hannover
Homepage
des Schulelternrates der IGS Hannover-Linden