Mädchen
gehören in die Küche !
Diese Meinung kursiert in den Köpfen
der meisten Menschen zum Glück nicht mehr, dennoch gibt es immer noch
Vorurteile.
"Ich mache eine Lehre als Zimmerin",
sagt die 18-jährige Julia, während sie sich zufrieden in ihrem
Stuhl zurücklehnt. Es ist aber nicht allein ihre Berufsausbildung,
die sie zum Exempel eines Mädchen macht, dass alle Vorurteile und
Klischees über den Haufen wirft: Auch ihr relativ brutales und daher
eher Männern zugeordnetes Hobby Rugby zeigt, dass sie in eine völlig
andere Richtung geht als die meisten Mädchen. Der Weg in die Männerdomäne
- dass es eine ist, zeigt schon der eigentlich gebräuchliche
Name "Zimmermann" - war ein beschwerlicher. Auf dem Arbeitsamt sagte man
ihr: "Ja, selbstverständlich können Sie sich bewerben; als Mädchen
können Sie es aber auch genauso gut sein lassen." Trotzdem hat sie
sich durchgebissen und nun seit einem halben Jahr eine Lehrstelle in eienr
hannoverschen Firma. Von ihren Mitarbeitern wird sie akzeptiert und steht
auch bei harten Arbeiten den anderen in nichts nach. Unerfreuliche Erlebnisse
hat sie zwar auch manchmal, aber das Positive überwiege doch.
Wie viele andere Mädchen, die
nicht gerade schwach und zimperlich sind, ist auch Julia trotzdem kein
"Mannweib", wie Mädchen oft abgewertet werden, nur weil sie sich in
Männerberufe wagen. "Früher, als Kind mit kurzen Haaren, hat
man mich schon für einen Jungen gehalten", räumt sie ein, heute
gibt es an ihrer Weiblichkeit aber nichts mehr zu deuten - auch für
ihren jetzigen Freund bestand keine Gefahr, sie zu verwechseln ...
Das Klischee des Mädchens,
das gerne viel lästert und auf Boygroups steht, erfüllt sie nicht:
"Lieber höre ich Grunge, Ska und solche Sachen." Mit Freundinnen lästert
sie natürlich manchmal, "aber bestimmt nicht mehr, als es Jungen auch
tun". Ihre Berufswahl und ihr Hobby haben, wie man meinen könnte,
nichts mit einer Protesthaltung zu tun, denn den Wunsch, Zimmerin zu werden,
hatte sie schon mit 14 Jahren, und zum Rugby ist sie eher zufällig
durch eine Freundin gekommen. Außerdem "mache ich einfach das, was
mir Spaß macht".
BENJAMIN KRÜGER
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von Hans-Dieter Keil-Süllow