STADT-ANZEIGER WEST (Beilage zu HAZ und NP), Donnerstag,  6.4.1999

Mit einem neuen PROJEKT will die IGS LINDEN der zunehmenden Gewaltbereitschaft begegnen.

Konfliktlotsen sollen Streit unter Schülern schlichten

Fairneßregeln werden kaum noch beachtet

Jeder dritte Schüler bewaffnet sich mit Messer, Schlagring oder ähnlichem, jedes vierte Kind wird Opfer von Jugendkriminalität. Zu diesem beunruhigenden Ergebnis ist das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen vor einiger Zeit gekommen. Einen drastischen Zuwachs von Gewalt konnte der Schulsozialpädagoge Detlef Mauer in den mehr als 20 Jahren seiner Tätigkeit an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Linden zwar nicht beobachten. Aber die Umgangsformen seien anders geworden, sagt er. "Heute gibt es weniger allgemein anerkannte Fairneßregeln, was sich allerdings nicht auf die Schule allein beschränkt, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist."

Die IGS Linden will den allgemeinen Klagen über Jugendgewalt schon bald Handlungen entgegensetzen: mit Sozialtrainingskursen, Projekttagen und der Ausbildung von "Konfliktlotsen", also von Schülern, die Streitigkeiten unter Schülern schlichten. Letzteres wird bereits an mehreren hannoverschen Schulen, darunter auch Integrierten Gesamtschulen, erprobt.

Das gemeinsam mit den Mitarbeitern des Jugendtreffs Linden-Nord, des Freizeitheims Linden und anderen Institutionen des Stadtteils ausgearbeitete Projekt ist in Gründzügen schon angelaufen. Es heißt "Ernie". "Wir wollten den Ausdruck Gewaltprävention vermeiden und haben statt dessen einen netten Namen gesucht", sagt Detlef Mauer, der für das Konfliktlotsen-Programm an der IGS Linden zuständig ist. Er durchläuft zur Zeit beim Lüneburger Verein "Brückenschlag" eine Ausbildung zum "Mediator" und will seine Einsichten nach den Sommerferien als sogenannter "Multiplikator" an Schüler und Kollegen weitergeben.

Vorangehen wird ein komplexes Auswahlverf ahren mit Lehrern und Schülern. "Wir müssen wirklich geeignete Konfliktlotsen finden. Wichtig ist vor allem, daß sie von den Mitschülern anerkannt und respektiert werden", betont Mauer. Außerdem sollen Mädchen und Jungen, Deutsche, Türken, Bosnier und andere Bevölkerungsgruppen unter den Konfliktlotsen gleichmäßig vertreten sein. Bei ersten Gesprächen zeigten sich die Schüler grundsätzlich interessiert. Allerdings seien sie nicht bereit, unter Gleichaltrigen zu vermitteln, sondem nur bei Jüngeren.

Streitschlichter erhalten Bescheinigung

Mauer rechnet damit, daß sich rund 18 Schüler aus neunten Jahrgängen zu Streitschlichtern ausbilden lassen werden. Sie werden ähnlich wie Schiedsbeamte eine Mittlerfunktion einnehmen und mit Streitparteien einen schriftlichen Vertrag aushandeln. Bei Vertragsbruch greifen die auch sonst üblichen Sanktionsmöglichkeiten der Schule.
Der Einsatz der ehrenamtlichen Schülerstreitschlichter soll mit einer "Anerkennung" und einer "Bescheinigung" belohnt werden. Letztere könnten sie später einmal ihren Bewerbungsunterlagen beifügen, erläutert Mauer: " Firmenchefs schätzen das sehr. "

jdb
 

LINDEN-LIMMER / Bezirksrat
Kein PCB in der IGS Linden

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Linden ist nicht mit den krebserzeugenden Schadstoffen  PCB (Polychlorierte Biphenyle), PCP (Polychlorierte Polyphenyle) oder dem Pflanzenschutzmittel Lindan belastet. Bei einer Untersuchung der Gebäude lagen sämtliche Meßwerte unterhalb der Grenzwerte. Dieses Ergebnis hat die Stadt jetzt auf Anfrage dem Bezirksrat Linden-Limmer mitgeteilt. In der Schule Kastanienhof sollen die Messungen in diesem Jahr stattfinden.