Projekt  "Abfallarme Schule" in der IGS Linden
Die Fernsemoderatorin (Links) schaut gemeinsam mit der Pharaonin in die Kristallkugel - die natürlich auch aus Müll ist.
Stadt-Anzeiger West und Ost, Mo, 07.03.2000
Müll steht mutigen Models
140 Schüler haben zusammen mit acht Künstlern im Raschplatz-Pavillon die Performance "Alles Müll oder was?" aufgeführt und gezeigt, was man mit Abfällen und anderen Resten noch alles anstellen kann. 
   Auch Mode aus Lumpen und Plastikmüll kann schick sein. Dies bewiesen vergangene Woche 140 Schüler des siebten Jahrgangs des IGS Linden mit einer "Müll-Performance" im Raschplatzpavillon. Während einer Schulprojektwoche hatte das Umweltamt acht Künstler engagiert, die mit den Schülern verschiedene Projekte zum Thema Müll organisieren sollten.
   Die Aufführung begann  mit einer Müllmodenschau, in der die Schüler selbst genähte Kostüme vorführten. Besondere Aufmerksamkeit erweckte die 14-jährige Bianca, die sich als Königin vekleidet hatte. Wer ihr Kostüm genau betrachtete sah, dass ihr Kleid und die Schleppe aus schwarzen Stoffresten und Plastiktüten bestanden. Ein Stehkragen aus weißem Kunststoff komplettierte das majestätische Gewand. In der Hand hielt sie anstatt eines Zepters einen bunten Regelschirm. Nach einer gelungenen Laufstegpräsentation zeigten die Müll-Models eien skurrilen Ausdruckstanz, der symbolisch mit dem Auftritt eines Sensenmannes, des Todes, endete. Die Botschaft war eindeutig: "Wir müssen etwas gegen die Umweltverschmutzung tun", sagt der 13-jährige Ihasan in einem blauen Regenmantel und mit zwei Müllsäcken an den Füßen.
    Die Show ließ nur kurz eine gewisse Weltuntergangsstimmung aufkommen. Als die Capoeira-Gruppe des Kampfsportlehrers Tobias Groß auftrat, füllte sich der Sall mit brasilianischer Lebensfreude. Capoeira ist eine von Sklaven in Brasilien entwickelte Kampfkunst - doch an diesem Abend stand sie für den Kampf gegen den Müll. Zum Abschluss spielte der Musiker Willi Hurdelbrink vom Rockmobil mit 13 Schülern einen Hip-Hop-Song gegen den Müll. "Alles Müll oder was?" sangen die beiden Sänger Gary und Nazmi lauthals, während die übrige Band auf vier E-Gitarren, zwei Keyboards und zwei Schlagzeugen die Begleitmusik lieferten. Dabei verübelte das Publikum den Musikern nicht, dass lediglich der Refrain zu verstehen war.
Die Müll-Performance der Lindener Schüler gehört zu der Initiative "Erfolgreich Abfallarm", durch die das Umweltamt seit 1998 veruscht, den Abfallberg der öffentlichen Schulen langfristig zu halbieren. "Alleine die Müllentsorgung der 161 Schulen in Hannover verschlingt jährlich 1,3 Millionen Mark", sagte Umweltdezernent Hans Mönninghoff, also rund 660 000 Euro. Seit 1998 bekommen die Schulen 30 Prozent der eingesparten Entsorgungskosten als Prämie zur freien Verfügung.
An vielen Schulen wurde seitdem eine Mülltrennung in den Klassenräumen und eine umweltfreundliche Butterbrotdose eingeführt, die kostenlos an Erstklässler verteilt wird. Erste Erfolge haben sich bereits gezeigt.
Die IGS Linden sparte in den vergangenen vier Jahren 90 000 Mark Müllgebühren und erhielt dafür eine Prämie über 30.000 Mark.  
isk       
Ein ausführlicher Bericht und Fotos von der Müllprojektwoche werden in Kürze unter der Adresse www.igs-linden.de im Internet veröffentlicht.

Rückblick auf das Projekt  "Abfallarme Schule" in der IGS Linden
   Die IGS Linden war die Pilotschule für das Projekt "Abfallarme Schule" 
Bereits in den Monaten Juni bis Dezember 1997 ersparte die IGS Linden der Stadt  7 * 1308,60 = 9160,20 in einer ersten Phase. 
Die zweite Phase begann im November, das bedeutet weitere 1528,80 DM im Dezember. Machte zusammen 10.689 DM.
Von dieser Ersparnis gab es noch keinen Anteil, da der Beschluss im Rat der Stadt aufgrund der Erfahrungen der IGS Linden erst im Jahr 1998 erfolgte.   Im Jahr 1998 ersparte die IGS der Stadt Hannover dann volle 24.876,-- DM.  

    Begonnen wurde das Projekt 1997 im 8.Jahrgang der Sek I mit wissenschaftlicher Begleitung des Wissenschaftsladens. Im Rahmen dieses Projektes wurde mit den Schülerinnen und Schüler  die Probleme von Müll aufgearbeitet und die Möglichkeiten der Abfallvermeidung und Abfalltrennung in der Praxis aufgezeigt.
   Auch in die Betriebssimulation "Albatros" in der ersten Projektwoche  im Schuljahr 1997/98 das Projekt mit einbezogen, erstmals wurden  "Umweltbeauftragte in Stabsposition" in den "Betrieb" eingeführt und die Möglichkeiten, Produktion und Vertrieb von Produkten umweltverträglicher zu gestalten, praktisch erprobt.

   Die Müllbehälter der IGS Linden wurden umgestellt. Diese Umstellung erbrachte in einem ersten Schritt  eine monatliche Ersparnis von 1308,60 DM  (bislang 3.597,40 DM - nun ), in einem zweiten Schritt seit den Herbstferien 1997 von weiteren 764,40 DM, d.h. 2.288,80 DM. Es wurden weitere Altpapier- und Leichtverpackungscontainer aufgestellt werden und Restmüll-Container reduziert. Die aktuellen Gebühren von 43.168,80 DM konnten so auf 18.292,80 DM gesenkt werden.
 
 Aufgrund der guten Erfahrungen des Projektes "Abfallarme Schule"  wurde ein Antrag von Bündnis 90 / Die Grünen und SPD im Rat der Stadt eingebracht werden, so daß wie beim "Energiesparen durch Nutzerverhalten" der Schule, an der eine Einsparung ermöglicht wurde, 30% der eingesparten Mittel zur Verfügung gestellt werden.
    Der Landkreis ist großzügiger als die Stadt. Er gibt die Ersparnis voll an seine 29 Schulen weiter: 160.000 DM im Jahr: "Müll sortieren lohnt sich im Klassenraum".
   Die Stadt Hannover hingeben will in der Beschlussdrucksache Nr.3019/97 zu überlassen, von den erhofften Einsparungen in Höhe von 650.000 DM im Jahr sollen 60% = 400.000 DM der Haushaltskonsolidierung dienen.