Projekte
Stadt-Anzeiger
West, 26.04.2001
Guten Gewissens
konsumieren
Seit 20 Jahren verkauft der Allerweltsladen
in Linden-Nord ökologische Produkte zu erzeugerfreundlichen Preisen.
Ein gutes Gewissen - jedenfalls
so gut, wie es auf solch große Entfernung zu den Entwicklungsländern
geht: Das vermittelt seit nunmehr 20 Jahren das Team des Allerweltsladens
seiner Kundschaft. Flechtkörbe aus Afrika, Tee aus Indien, Honig aus
Südamerika und Grapefruitsaft aus Kuba, all diese und noch mehr Produkte
werden so hergestellt und vertrieben, dass die Menschen in den fernen Ländern
menschenwürdig von ihrer Arbeit leben können. Überprüfen
kann das Ladenteam das zwar nicht selbst. Aber immerhin sind die etwa zwölf
Mitarbeiter so sehr von der Qualität ihrer Produkte überzeugt,
dass sie nach wie vor einen Großteil ihrer Arbeit ehrenamtlich
erledigen.
Angefangen hat die Sache mit
dem Laden als Projekt von Lehrern und Schülern der IGS Linden. 1980
gründeten sie den Verein "Allerweltsladen e.V.", um damit unterschiedliche
Projekte aus Entwicklungsländern durch den Verkauf ihrer Produkte
zu unterstützen.
Hauptkriterium für die Produkte
des Allerweltsladens war und ist, dass Männer und Frauen unabhängig
von Großgrundbesitzern und westlichen Firmen in Eigeninitative landwirtschaftliche
oder kunsthandwerkliche Produkte herstellen. Bis heute verlässt sich
der Allerweltsladen darauf, dass dementsprechend ausgerichtete Importeure
wie "Gepa", "El Puente" oder "Dritte-Welt-Partner" die Arbeits-
und Lebensbedingungen bei den jeweiligen Projekten überprüft
haben.
1981, im Jahr nach der Vereinsgründung,
öffnete der erste Allerweltsladen Ecke Noltestraße / Kötnerholzweg
seine "Tür zur Welt". Holzspielzeug, Schreib- und Geschenkpapier,
Bücher, Geschirr, Musikinstrumente, Schmuck, Taschen, T-Shirts und
Kaffee gehörten zum Angebot, Schüler und Lehrer, zu denen
sich bald auch Studenten gesellten, schoben jeden Nachmittag unentgeltlich
Ladendienst. "Wir wollten alle die Ziele des fairen Handels unterstützen",
erzählt Ina Lüdecke, die damals als Studentin zum
Team kam.
"Viele aus den Anfangsjahren sind
mit dem Laden mitgealtert", erzählt die 36-Jährige. Nur noch
selten kämen jüngere, neue Mitarbeiter hinzu. Mittlerweile -
nach mehreren Umzügen - steht das Schild "Allerweltsladen" schon seit
mehr als zehn Jahren über der Tür in der Limmerstraße
87. Die Angebotspalette ist noch bunter geworden, teilweise auch ökologischer.
Lange Zeit waren beispielsweise sonnenenergiebetriebene Radios der
Renner, die bei Regen per Kurbelbetrieb aufzuladen sind.
Auch die Leihbücherei
im hinteren Ladenbereich ist auf ansehnliche Größe angewachsen.
Gegen Vorzeigen des Personalausweises kann man sich hier gebührenfrei
schlau lesen. "Anfangs standen hier nur geschenkte Bücher und Bände
aus dem Privatbestand der Mitarbeiter", erzählt Ina Lüdecke.
Seit vielen Jahren bekommt das Ladenteam regelmäßig Geld vom
Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen (VEN), um neue Bücher
über fremde Länder anzuschaffen.
Seit der Laden auch vormittags geöffnet
hat, bekommen die Mitarbeiter einen Teil ihrer Arbeitsstunden auch vergütet.
Wer sich für die Mitarbeit interessiert, sollte freie Zeit und
Motivation mitbringen. "Alles andere wie Dekorieren, Bestellen, zu
einzelnen Produkten und Projekten zu beraten, Kassieren und Abrechnen kann
man lernen", ermutigt die langjährige Mitarbeiterin.
Wenn die Ausstellung "Entwicklungsland
D" mit verschiednen Informations- und Kulturveranstaltungen zum 20. Ladengeburtstag
im Pavillon beendet ist, hat der Allerweltsladen auch schon das nächste
große Projekt im Auge: Das Team will einen Fair-Handels-Führer
für Hannover erstellen. Darin soll der Verbraucher nachschlagen
können, wo es auch anderweitig - beispielsweise in Supermärkten
oder Kaufhäusern - fair gehandelte Produkte zu kaufen gibt. Die Recherche
für diesen Einkaufsführer wird über den VEN mit Geld der
Europäischen Union finanziert. kat
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