SCHREIBWETTBEWERB   2003
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Spannend bis zuletzt:    Hier sind die Siegertexte des zweiten  HAZ-Schreibwettbewerbs.10.000 Euro gab es zu gewinnen, Schüler aus der ganzen Region Hannover sandten insgesamt 148 Beiträge ein.  Mehr als 4000 Stimmen wurden im Internet für den Publikumspreis abgegeben. Nach der Preisverleihung gestern im Raschplatz-Pavillon wurde gefeiert: Bei der ZiSH-Party in der  Glocksee
.HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe ab Klasse 10 / 1.
Maren Lachmund: G.O.T.T. oder  Wer alles erschafft
HAZ, 15.03.2003    HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe ab Klasse 10

  1. Platz 
  Schule: Erich-Kästner-Gymnasium
  Klasse: 10 G 3 
  Autor: Maren Lachmund 
  Thema: Leben mit dem Computer /  Leben im Computer?

   G.O.T.T. oder Wer alles erschafft

   „Check baby‘s characteristics and hit enter when ist‘s done!”

   Ein gleichmäßiges Surren liegt im Raum, die gelbe Lampe am Bildschirm deutet   mit ihrem Blinken den Stand-by-Modus an. Seine Hände liegen auf der Tastatur,
   die Ellenbogen auf den Tisch gestützt und der Kopf ruht nach vorne
   übergeknickt. Er schläft. Nach so vielen schlaflosen Stunden schnarcht er
   zufrieden. Seine Augen müssten viereckig sein, vom Bildschirm, und sein
   Drehstuhl ist durchgesessen. Das letzte Essen – Tage sind seitdem vergangen,
   zu trinken gibt‘s nur etwas, wenn er auf dem Weg vom Klo eine Flasche in die
   Hände bekommt. Eine mit vielleicht trinkbarem Inhalt, nicht das Spüli-Behältnis
   neben der Stereoanlage. Sein Computer ist riesenhaft, wahrhaft gigantisch. War
   ein PC dieser Klasse und Leistung vor guten dreihundert Jahren nur für
   professionelle Wissenschaftler, Weltraumforscher oder Multimillionäre aus Texas
   gedacht, so steht er im jetzigen Zeitalter der Marsbesiedelung mit Klonbabys
   und der Arbeit daheim in vielen normalen Haushalten. So auch in diesem, in
   seinem. Er lebt allein, Junggeselle, volljährig, aber nach neuer Gesetzgebung
   eigentlich noch schulpflichtig. Doch wer hält sich schon daran. 

   Ein unauffälliges Zimmer, sein Zimmer: Aus dem Chaos von drei Kisten Cola,
   leeren Bierflaschen, kunstvoll gestapelten, jedoch inzwischen leeren Pizza- und
   Fast-Food-Verpackungen sowie Wäschebergen, in denen mittlerweile wohl schon
   seltene Pilzkulturen leben, erhebt sich seine Einrichtung – ein zerwühltes Bett,
   seit langem unbenutzt, eine leere Kommode mit darauf platzierter Stereoanlage
   und ein völlig überladener Schreibtisch. Und ein Computer. Ein riesenhafter
   Computer. Ansonsten ist das Zimmer leer, die Jalousien sind immer
   verschlossen, und die einzige Lampe, die an der Decke, hat längst keine
   Glühlampen mehr. Die Wände sind mit vergilbten und zerrissenen Postern,
   zusammengehalten von Sprühfarbe und Sekundenkleber, tapeziert. Dazwischen
   schiefe, gigantische Lautsprecherboxen, bereit, in Dolby Surround so ziemlich
   alles wiederzugeben, was Computer und Stereoanlage über Kabel in ihre
   Richtung ausstoßen. Das Kabeldurcheinander kann jedoch niemand sehen, denn
   es ruht ganz unten auf dem Fußboden, neben Schulheften und veralteten
   CD-ROMs, in dem Bereich des Raumes, zu dem keiner jemals wieder
   vordringen wird.

   Seit einigen Wochen ist alles anders. Sein Zimmer war schon immer
   unaufgeräumt, das war für ihn als notorischer Gamer und Hacker,
   Computerfreak eben, ganz normal, aber vor mehreren Monaten fand er diese
   Mikrofestplatte. Solche hoch entwickelten Dinger liegen normalerweise nicht auf
   der Straße herum, es sei denn, sie sind kaputt. Um das herauszufinden, nahm
   er sie mit, baute sie mit wenig Mühen in seinen PC ein und startete den
   Versuch, auf sie zuzugreifen. Er versuchte, Passwörter auszutricksen, Dateien
   zu öffnen, deren Endungen selbst er noch nie gehört hatte, und wenigstens
   einen Hinweis zum Verwendungszweck dieses seltsamen Bauteils zu
   bekommen. Er fand keinen, trotz tatkräftiger Unterstützung von Pizza, Bier,
   Cola, Kaffee, Fast Food und lauter Musik. Sein Zugriff, erst entstanden nach
   vielen Passwortbasteleien und Hackertricks, beschränkte sich auf einen Ordner
   namens „Start”, was ja schon einmal ein sehr bedeutungsvoller Name ist, und
   dessen Unterordner. Die waren voll von ihm unbekannten Antriebsdateien.
   Zumindest vermutete er erst mal, es handele sich um Antriebs- und
   Systemfiles. Als Letztes gab es eine Datei, die eine .exe-Datei zum Starten
   eines Programms zu sein schien. Betitelt war sie sinnigerweise ebenfalls mit
   „Start” – und genau das tat sein PC damit einfach nicht!

   Das Surren stoppt, der Rechner fährt sich automatisch herunter. Er schreckt
   hoch, beraubt seiner immer währenden Hintergrundmusik. Die plötzliche Ruhe
   verwundert ihn, er sieht sich in dem Schlachtfeld um, was einmal sein Zimmer
   war, geht zur Toilette und findet die Zeitungen mehrerer Wochen unter dem
   Briefschlitz der Wohnungstür. Eine Kleinigkeit zu essen, Fertiggerichte für die
   Mikrowelle, danach wird der Computer wieder hochgefahren. Es dauert zu
   lange. BOOTING... CANNOT LOAD... PLEASE WAIT... PLEASE WAIT...
   LOADING...

   Konnte es denn tatsächlich sein, dass sein super-multifunktioneller
   Gigantencomputer einen Neustart, einen simplen Neustart brauchte, um eine
   noch viel simplere .exe-Datei zu öffnen? Konnte das wahr sein? Seltsam genug
   erschien ihm dieses Festplattending, was er sich eingebaut hatte, ja schon die
   ganze Zeit. Wozu war es nur gut, wenn er das wüsste, dann wäre er doch schon
   glücklich. Nur die Neugierde hatte ihn letztendlich dazu gebracht, nicht
   aufzuhören, an den Dateien herumzubasteln.

   LOAD G.O.T.T. PLEASE WAIT. Was ist denn bitte G.O.T.T.? Ein Fenster öffnet
   sich, ohne dass er überhaupt vorher seine Benutzeroberfläche oder sein
   Desktop sieht. SELECT LANGUAGE. Deutsch. Das Programm verselbstständigt
   sich und übernimmt den Zugriff auf seinen Computer. Ein Virus? Das Fenster ist
   fertig geladen, immer noch mit G.O.T.T. betitelt und bietet ein Menü an:
   BABY-WELT-ANDERES-SUCHE-KONFIGURIEREN-OPTIONEN-ENDE. Er klickt auf
   „Baby” und bekommt ein Kommunikationsfenster, in dessen Textzeilen er einen
   Namen, Lebensdaten, Geschlecht und einige andere „Eigenschaften” des Kindes
   eingeben soll. Er muss einen genauen Geburtsort eingeben und vieles mehr.
   Vielleicht eines dieser Spiele, in denen man sich seine Spielfigur erst selbst
   erschafft, bevor man das Spiel starten kann? Ein neues Fenster. Eingegeben
   werden sollen Namen der Eltern und in welchem Monat dieses „Baby” geboren
   werden soll. Unter den Möglichkeiten im Listenfeld findet er verschiedene
   Zahlen, eins bis zehn Monate, unter anderem die Option BORN DEAD/Totgeburt,
   DISABLED/körperlich behindert und die Entscheidung, ob ein Kaiserschnitt
   durchgeführt werden muss oder nicht. Er tippt konstant seine eigenen „Daten”
   ein, soweit sie ihm bekannt sind, gespannt, was dabei wohl herauskommt. Eine
   letzte Meldung: Check baby‘s characteristic and hit enter when it‘s done! Ja, das
   stimmt schon alles. Enter. Eine Warnmeldung: Baby already exists. Und damit
   öffnet sich ein Textdokument, scheinbar endlos lang, betitelt mit seinem
   eigenen Namen und alle seine Lebensdaten enthaltend. Seit einer offenbar
   lauen Sommernacht irgendwann im Mai, knapp achteinhalb Monate vor seiner
   Geburt gibt es scheinbar für jeden Tag Daten. Angaben, was er tat, was
   geschieht. Sogar, was er angezogen hatte und alles, soweit er sich in naher
   Vergangenheit erinnern kann, stimmt mit den tatsächlichen Ereignissen überein.
   Nur eine Tatsache macht ihn stutzig: Dieser Lebenslauf – soweit es sich um
   einen handelt – endet exakt an dem Tag, als er die Mikrofestplatte gefunden
   hat. Für diesen Tag steht da: „Aufstehen 9 Uhr morgens, direkt danach Gehen,
   hinaus, Straße. Wird Ecke Hauptstraße von einem Auto erfasst,
   TAB/ZEILENWECHSEL, Tod tritt um 10.05 Uhr an Unfallstelle ein. Toter kann
   nicht identifiziert werden.”

   G.O.T.T. bietet seltsame Möglichkeiten. Es ist ein tolles Spiel, findet er. Anfangs
   begnügt er sich noch damit, unter der Suchoption Namen von Prominenten
   einzugeben, um dann einen ebensolchen tagesbestimmten Lebenslauf zu
   bekommen wie den, den er für sich selbst entdeckt hatte. So findet er heraus,
   dass ein berühmter Expräsident der USA offenbar Horden von unehelichen
   Kindern zeugte, sein Lieblingsschauspieler in zwei Jahren während einer
   Oscar-Verleihung sterben wird und Hitler wirklich schwul war. Er konfiguriert
   das Wetter um, erschafft Schnee im Hochsommer, Orkane von nie gekannten
   Windstärken. Er stoppt Kriege, startet neue, hält die Zeit an und lässt sie
   weiterlaufen. Nie glaubt er, sein „Spiel” würde sich auf die reale Welt auswirken.
   Die Zeitung kommt immer noch täglich und vergrößert auf diese Weise den
   Berg neben der Eingangstür, jedes Mal, wenn er auf die Toilette muss, sieht er
   den Stapel. Nur einmal wird er stutzig, denn der Zeitungstitel lautet: HAWAII
   GEHT UNTER – ORKAN MIT WINDSTÄRKE 1000. Ein anderes Mal registriert er
   einen Headliner namens KRIEG UM ÄGYPTEN VORBEI – JETZT GEHT ES UM
   SPANIEN. 

   Aber er las nie die Zeitung, G.O.T.T. war viel interessanter. Wer immer dieses
   Spiel programmiert hatte, es musste ein Genie sein. Eine exakte Kopie der Welt
   – konnte man das noch als Spiel werten? Und alle Fakten und Daten waren die
   richtigen und entsprachen der Wahrheit. Na ja, fast alle – nur sein eigenes
   Todesdatum verwirrt ihn, bringt ihn dazu, ein wenig nachzudenken. Wo er doch
   „offiziell” tot war... und jetzt im Besitz dieses Programms. Vielleicht war er nun
   selbst G.O... „Gott”?! Doch wenn er Gott geworden ist, denkt er, wer hat dann
   dafür gesorgt, dass er überhaupt erst mal diese Festplatte bekommt? All die
   Daten, das Programm? Es muss noch eine höhere Macht geben als die, die von
   seinem PC ausgeht. Eine höhere Macht als G.O.T.T.

   Und plötzlich findet er das Programm gar nicht mehr interessant, sondern
   beängstigend. Er will hinaus und den Rechner verlassen – doch mehr als seine
   Wohnung gibt es nicht, als einziger Zufluchtsort bleibt ihm wirklich nur das
   Zimmer mit seinem Computer. Und dem Programm, welches nun auch ihn zu
   beherrschen scheint. Da beginnt er, sich davor zu fürchten.

   haz.de

   Veröffentlicht 14.03.2003 19:22 UHR
   Zuletzt aktualisiert 14.03.2003 19:24 UHR
 
 

 

HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe ab Klasse 10 / 2.
Clara van Waveren: Lieber Antonio
HAZ, 15.03.2003    HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe ab Klasse 10

    2. Platz 
   Schule: Gymnasium Burgdorf
   Klasse: Deutsch-Lk Jgst. 12
   Autor: Clara van Waveren
   Thema: Was kommt nach der Schule? Perspektiven für die Zukunft

   Lieber Antonio

   Lieber Antonio! Ich gehe weg. In zwei Wochen geht es los: Raus aus
   Deutschland, Europa, raus aus allem, was es mir hier so eng macht.

   Gestern habe ich die Flugtickets abgeholt – mit klopfendem Herzen. Mir ist
   schon ein bisschen bange, dass ich es nicht schaffen werde. Vielleicht haben sie
   ja alle recht, wenn sie mir sagen, dass ich unvernünftig sei und bloß einer
   „postpubertären Trotzphase” folge, wie Mama es nennt. Vielleicht stimmt es,
   dass mein Entschluss mir noch Leid tun wird: Weißrussland – manchmal
   erscheint es mir Wahnsinn: In einem Land, das ich nicht kenne, dessen Sprache
   ich kaum beherrsche, ein Jahr lang das Rote Kreuz zu begleiten, die Arbeit zu
   dokumentieren.

   Aber es ist auch meine Chance; das erste Mal, dass ich etwas Eigenes mache,
   selbstständig journalistisch arbeite. Verstehst du? Ich habe mich so lange nach
   dem Abitur herumgeschlagen. Dieser Kampf um Praktika, immer wieder in den
   Redaktionen abgelehnt zu werden und manchmal nichts anderes mehr zu haben
   als den störrisch gehegten Glauben, einmal etwas ändern zu können mit den
   Berichten.

   Und doch – es ist auch ein Jahr, in dem ich fort bin von allem, was ich kenne,
   was mir etwas bedeutet. So fremd und eng mir das Leben hier auch geworden
   ist, so viel lasse ich auch zurück. Wahrscheinlich ja nicht nur meine Familie,
   Freunde – und dich, immer wieder dich –, sondern auch die Bequemlichkeiten
   des Alltags. Ob wir in Weißrussland in festen Häusern leben können? Vermutlich
   nicht. Ein bisschen wird mir schlecht bei dem Gedanken. Wie viel werde ich
   mitbekommen von der staatlichen Unterdrückung, von Korruption, Armut,
   Mafia-Machenschaften und Prostitution...? Ich mache mir nur selbst Angst, du
   weißt das alles ja.

   Ich höre noch immer meinen Vater sagen: „Da, wo alle rauswollen, da willst du
   rein. Du hast doch gar keine Ahnung, was dich da erwartet. Du bist ein
   verweichlichtes Stadtpflänzchen, und du wirst dort eingehen.”

   Und wenn ich mich schon so hilflos gegenüber all diesen hochgezogenen
   Augenbrauen fühle, wie soll ich es dann aushalten in der Kälte, mit Heimweh
   und umgeben von sozialem Elend? Ob ein großes Ziel und guter Wille reichen,
   um dem allem etwas entgegenzuhalten? Ich gebe zu, ich habe Angst. Manchmal
   möchte ich fortlaufen vor meinem eigenen Mut. Es tut mir immer neu weh,
   wenn ich an den Zeitungsartikel denke, den mein Bruder mir an meinem
   Geburtstag wortlos auf den Teller legte. In dem Artikel wurde davon berichtet,
   dass in kaum einem anderen Land so viele „ungeklärte Todesfälle” unter
   Journalisten verzeichnet wurden wie in Weißrussland, 62 alleine von Januar bis
   Juli. Und klein hatte der liebe Bruder auf der Rückseite angefügt: „Werden wir
   nächstes Jahr auch noch deinen Geburtstag feiern können?”

   Was soll‘s, was kann ich dazu sagen? Eigentlich nur, dass ich Angst habe vor
   dem, was mir passieren könnte. Und doch glaube ich, dass es manchmal nichts
   nützt, seiner Angst nachzugeben. Denn so erreiche ich ja nichts, indem ich
   stillhalte, damit ich auch schön heile bleibe. Ich kann doch auch hier nicht leben
   ohne kaputtzugehen – ich weiß, du verstehst, was ich meine.

   Was nützen uns denn unser Abitur, das Studium, all die schlauen Bücher und
   Reden, die wir uns zwischen die Ohren prügeln, wenn wir sie nicht nutzen, um
   unsere Träume zu verwirklichen? Alles wäre umsonst, absolutes Nichts, das,
   was wir eben wären ohne unsere Träume.

   Sie sagen mir, dass Träume für die Zukunft ein Luxus der Industrienationen
   seien und sonst mein einziger Wunsch ein Stück Brot und ein Schluck Wasser
   sein könnten. Sie haben recht und ändern mit diesem Gerede doch genauso
   wenig wie alle anderen, nur eben lauter.

   Ich könnte trotz aller Zweifel ins Schwärmen geraten über das, was ich mir
   sonst noch vorstelle für meine Zukunft: Erst das Jahr Weißrussland, dort
   vielleicht schon für eine deutsche Zeitung schreiben und zurück in Deutschland
   fest in einer Redaktion arbeiten. Oder ich mache etwas aus meinem
   Jura-Studium und schwenke um: Anwältin bei Amnesty International ist so mein
   zweiter leiser Traum.

   Ich könnte schwärmen und tue es nicht, weil es ja noch nur schöne Utopie ist
   und weil das alles für dich keine Rolle mehr spielt.

   Es tut mir weh, dein Grab zurücklassen zu müssen. Ich vermisse dich und
   verfluche den Tag, an dem du deinen Unfall hattest, verfluche das endlose
   Hupen des Lkw in meinem Kopf und vor allem den einen Moment, in dem deine
   Zukunft starb.

   Danke, dass du mir so viel Mut gegeben hast, dass ich leben möchte, auch ohne
   dich. Danke.

   Ich liebe dich, Marie
 

   haz.de

   Veröffentlicht 14.03.2003 19:22 UHR
   Zuletzt aktualisiert 14.03.2003 19:24 UHR
 
 

 

HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe ab Klasse 10 / 3.
Admira Baljic: Das Leben einer Ketchupflasche
HAZ, 15.03.2003    HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe ab Klasse 10
 

   Platz 3 

   Schule: IGS Linden,

   Klasse: 10 c 

   Autor: Admira Baljic 

   Thema: Umweltschutz in der Region Recherchen zum Thema

   Das Leben einer Ketchupflasche
 
 

   Es ist Montag. Wie jeden Montagnachmittag, nach dem Wochenende, muss für
   die Familie eingekauft werden. Heute stehen Dauerkonserven und Saucen ganz
   oben auf der Einkaufsliste. Im Regalgang für Saucen treffe ich „Squeezy”, er ist
   eine Kopfüber-Ketchupflasche aus rotem Kunststoff. Wir sind uns sympathisch,
   und er landet im Einkaufswagen.

   Während der Woche findet der Inhalt von „Squeezy” reißenden Absatz:
   Pommes frites, Bratwürste und vieles mehr wird mit seiner roten Sauce
   verfeinert, daher verbringt er schon am Donnerstagabend die Nacht nicht wie
   gewohnt im Vorratsschrank, sondern im Gelben Sack, zerdrückt und leer.

   Wie grausam? Aber nein, „Squeezy” freut sich drauf, seine anderen
   Kunststofffreunde, „Yougi”, den Joghurtbecher, oder „Pille”, den
   Tablettenstreifen, in der Sortierungsanlage wiederzusehen. Nach der
   Vorsortierung der Gelben Säcke nach Kunststoff und Metallen werden diese
   Materialien einzeln zu Ballen gepresst. Diese Arbeiten werden von
   Vertragsdienstleistern der Stadt Hannover nach Anlieferung der Gelben Säcke
   von den verschiedenen Recyclinghöfen bzw. Sammelstellen durchgeführt. Die
   gepressten Ballen werden je nach Rohstoff weiterverarbeitet: Kunststoff wird in
   einer Granulatmühle geschreddert, Metall in einer Schmelze eingeschmolzen
   und von Weißblechrollen neu gewalzt.

   „Squeezy” wird zu Granulat gemahlen, neu eingefärbt und landet als Belag auf
   dem Tennisplatz oder vielleicht in neuem Outfit demnächst als
   Mayonnaiseflasche bei uns im Schrank. Guten Appetit.

A
 

HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe bis Klasse 10 / 1.
Schule auf der Bult, 6b: "Pfandpflicht ? Kapier' ich nicht!"
HAZ, 15.03.2003    HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe bis Klasse 9
 

ANNOVER - NACHRICHTEN
   HAZ-Schreibwettbewerb: Sieger der
   Altersgruppe bis Klasse 9
 
 
 

   Platz 1
 
 

   Schule: Schule auf der Bult

   Klasse: 6b 

   Autor: 6b 

   Thema: Umwelt in der Region / Recherchen zum Thema
 
 

   „Pfandpflicht? Kapier‘ ich nicht!”
 
 

   Wir sind Schüler der Klasse 6 b der Schule auf der Bult. Wir haben uns mit dem
   Thema Dosenpfand beschäftigt, da es seit dem 1. Januar 2003 Pflicht ist.

   Wir haben uns Gedanken über Vorteile und Nachteile von Dosen gemacht. Wir
   haben auch Informationen und Zeitungsartikel zum Thema gesammelt.
   Außerdem haben wir auch Probeeinkäufe gemacht, um das Pfandsystem zu
   verstehen. Dann sind wir auch noch in ein Geschäft gegangen, um den
   Marktleiter nach seinen Erfahrungen mit dem Dosenpfand zu fragen. Wir haben
   auch Schüler und Mitarbeiter nach ihrer Meinung gefragt.

   Vorteile und Nachteile von Getränkedosen

   – Dosen sind handlich.

   – Dosen sind Platz sparend!

   – Dosen sind in der Herstellung günstig.

   – Dosen sind stabil und haltbar.

   – Dosen kann man einfach wegwerfen.

   – Dosen sind billiger.

   – Dosen kann man gut stapeln.

   – Dosen lassen sich gut sammeln.

   – Aus Dosen kann man etwas basteln.

   – Dosen kann man nicht wieder verschließen.

   – An den scharfen Kanten von Dosen kann man sich verletzten.

   – Dosen sind oft schwer zu öffnen.

   – Dosen haben ein begrenzten Inhalt (maximal 0,5 Liter)

   – Dosen lassen die Müllberge anwachsen.

   – Dosen verrotten nicht.

   – Dosen sind nicht nachfüllbar.

   – Weggeworfene Dosen verschmutzen die Umwelt und sind für Menschen und
   Tiere gefährlich.

   – Dosen kann man schlecht wiederverwerten, da sie verschiedene Materialien
   enthalten.

   Fakten – Fakten – Fakten

   In Deutschland verbraucht jeder Einwohner im Durchschnitt 70 Getränkedosen
   pro Jahr. Das macht dann im Jahr mehr als 6,3 Milliarden Dosen. Viele der
   Dosen landen in der Landschaft (36 pro Sekunde). Deswegen hat die Regierung
   gesagt: „Das Dosenpfand muss her!” Seit dem 1. Januar 2003 muss für
   Getränke bis 1,5 Liter 25 Cent Pfand bezahlt werden, und alles, was darüber ist,
   kostet 50 Cent Pfand. Bis zu 80 000 Rücknahmeautomaten werden in
   Deutschland gebraucht. Die Pfandregelung verursacht Mehrkosten von 130 000
   000 Euro. Das sind nicht einmal 1 Cent pro Dose.

   Das sind 70 Dosen im Jahr!

   Noch im Januar haben wir viele Dosen draußen gefunden. An einer Ampel, wo
   die Autos warten müssen, fanden wir an einer Stelle 14 Getränkedosen. Die
   sind wahrscheinlich alle aus dem Fenster geworfen worden. 14 Dosen x 25 Cent
   = 3 Euro 50 Cent – einfach weggeworfen!

   Zweizeiler

   Es lag etwas im Moose, die Menschen nennen‘s Dose! Benjamin, 11 Jahre.

   Unsere Probeeinkäufe

   „Ich war beim HL-Getränkemarkt und habe eine Fanta Lemon gekauft. Mit dem
   Pfand funktioniert das so: Ich bezahle die Dose. Der Inhalt der Dose kostet 30
   Cent, und das Pfand für die Dose kostet 25 Cent. Ich muss den Bon aufheben,
   und wenn ich die Dose zurückgebe, muss ich den Bon hingeben. Dann erst wird
   die Dose zurückgenommen.” Alexander, 12 Jahre.

   „Ich war bei einer LTG-Tankstelle und habe eine Cola gekauft. Die Frau an der
   Kasse hat gesagt, dass ich die Dose und den Bon zurückgeben muss. Dann
   bekomme ich auch mein Pfandgeld wieder.” Christian, 12 Jahre.

   „Wir waren im V-Getränkemarkt. Mit dem Pfand funktioniert das hier so. Man
   bekommt eine Pfandwert-Karte. Diese bekommt so viele Stempel, wie man
   Dosen gekauft hat. Entweder bekommt man einen Stempel für 25 Cent oder für
   50 Cent. Wenn man die Dosen zurückbringt, bekommt man sein Geld zurück.”
   Benjamin, 11 Jahre, Florian, 12 Jahre, Christian, 12 Jahre.

   „Ich war im HL-Markt und habe eine Coca-Cola gekauft. Hier funktioniert das
   so: Ich bezahle 25 Cent Pfand und muss den Bon aufbewahren. Wenn die Dose
   leer ist, muss ich sie zum Leergut in demselben Laden zurückbringen. Und den
   Bon natürlich auch. Dann kriege ich einen Zettel, den ich an der Kasse einlösen
   muss.” David, 12 Jahre.

   „Ich war bei „plus” und habe eine Dose Fanta gekauft. Mit dem Pfand
   funktioniert das in diesem Laden so: Mit der Dose Fanta ging ich zur Kasse. Ich
   bezahlte 54 Cent und bekam eine kleine silberne Münze, auf der steht: Plus und
   25 Cent. Wenn die Dose leer ist, muss ich die Münze und die Dose zur Kasse
   bringen. Die Verkäuferin nimmt die Münze zurück, und ich bekomme 0,25, Euro
   zurück. Die Dose kommt in einen Extra-Müllbeutel.” Salomon, 13 Jahre.

   „Ich war bei Edeka und habe eine Billigcola gekauft. Mit dem Pfand funktioniert
   das so: Man kauft die Dose und bewahrt den Kassenbon auf, trinkt die Dose aus
   und bringt sie zurück in denselben Laden. Dann gibt man die Dose der
   Verkäuferin mit dem Bon hin. Man bekommt das Geld zurück und die
   Verkäuferin entsorgt die Dose.” Sebastian, 12 Jahre.

   „Ich war bei einem extra-Markt und habe Coca-Cola gekauft. Mit dem Pfand
   geht das hier so: Man bekommt einen zweiten Bon, wo nur das Pfand von 25
   Cent draufsteht. Die Dose und den Pfandbon kann man in jeden extra-Markt
   zurückbringen, und da bekommt man seine 25 Cent zurück.” Markus, 12 Jahre.

   Kassenbon! Kassenbon und Pfandbon! Pfandwertkarte! Pfandmünze! Keine
   Dosen mehr bei Aldi! Ich steig‘ da nicht mehr durch! Warum macht es denn fast
   jeder Laden anders?

   Wir fragten Schüler und Mitarbeiter nach ihrer Meinung

   Wir haben eine Umfrage zum Dosenpfand in unserer Schule durchgeführt. Die
   Erwachsenen finden das Dosenpfand alle gut. Es liegen nicht mehr so viele
   Dosen in der Landschaft, und viele Leute kaufen jetzt vielleicht lieber
   Pfandflaschen als Dosen. Ein Lehrer hat sich gefreut, dass es bei uns mit dem
   Pfand nun endlich so wird, wie es schon seit über zehn Jahren in Norwegen
   üblich ist. Eine Lehrerin hat gesagt, dass durch das Dosenpfand auch Energie
   gespart werden kann, denn für die Herstellung einer Dose benötigt man über 50
   Liter Wasser. Viele Schüler finden das Dosenpfand doof. Es ist sehr
   umständlich, dass man die Dose erst mit nach Hause nimmt und sie dann
   wieder zurückbringen muss. Viele Schüler haben gesagt, dass es reicht, wenn
   man für Flaschen Pfand bezahlen muss. Ein Schüler hat gesagt. „Wenn ich die
   Dosen zurückbringe, verliere ich Zeit, wenn ich sie nicht zurückbringe, verliere
   ich Geld.”

   Erwachsene und Schüler fanden aber alle das Pfandsystem umständlich und zu
   kompliziert.

   Fragen an den Supermarkt

   Am 16. und 17. Januar haben wir in zwei Supermärkten in Hannover eine
   Umfrage gemacht. Die Mitarbeiter haben uns gesagt, dass sie bisher gute
   Erfahrungen mit dem Dosenpfand gemacht haben. Es liegen viel weniger Dosen
   als früher vor den Läden und in der Umwelt herum. Es sind auch keine neue
   Kosten für den Laden entstanden, und es mussten auch keine zusätzlichen
   Mitarbeiter eingestellt werden. Die Dosen werden in gelbe Säcke gepackt und
   gelagert. Nach zwei Wochen werden sie dann von der Stadt abgeholt. Das
   Rückgabesystem ist nicht sehr hygienisch, weil viele Dosen kaputt und
   verunreinigt sind. Deshalb wünschen sich die Mitarbeiter Rücknahmeautomaten
   und ein einheitlich geregeltes Pfandsystem. Der Umsatz bei Getränken ist
   weniger geworden, weil die Menschen nicht so viele Flaschen wie Dosen kaufen.

   Alexander, 12 Jahre, und David, 12 Jahre.

   Tim: „Man findet viele Informationen zum Dosenpfand.”

   Unsere Meinung zum Dosenpfand

   Nachdem wir uns mit dem Dosenpfand beschäftigt haben, sind alle Schüler der
   Klasse der Meinung, dass das Dosenpfand gut ist, weil die Umwelt weniger
   belastet wird. Es ist allerdings doof, dass man die Dosen wieder in den Laden
   bringen muss, wo man sie auch gekauft hat. Die meisten werden wohl auch in
   Zukunft Dosen kaufen.

   Die Arbeit am Thema hat allen Schülern Spaß gemacht, weil so viele
   unterschiedliche Dinge gemacht wurden: Texte aus Zeitungen und dem Internet
   sammeln, fotografieren, Dosen sammeln, aus Dosen etwas basteln,
   Probeeinkäufe machen, eine Umfrage durchführen, Interviews in der Schule
   machen … Nur ein Schüler fand, dass die Arbeit keinen Spaß gemacht hat, weil
   man so viel herumlaufen musste …

   Florian fragt: „Wird die Menschheit bald unter Dosen begraben?”
 
 
 

 

HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe bis Klasse 9 / 2.
International School, Klasse 9: Kein Entrinnen (das Zeitspiegelprojekt)
HAZ, 15.03.2003    HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe bis Klasse 9
 

ANNOVER - NACHRICHTEN
   HAZ-Schreibwettbewerb: Sieger der
   Altersgruppe bis Klasse 9
 
 
 

   Platz 2 
 
 

   Schule: ISHR-International School Hannover Region

   Klasse: Klasse 9

   Autor: Schüler Grade 9 German A

   Thema: Was kommt nach der Schule ? Perspektiven für die Zukunft
 
 

   Kein Entrinnen (das Zeitspiegelprojekt)

   Wir sollten nun also die Opfer dieses fragwürdigen Experiments werden. Ich
   muss zugeben, dass ich trotz meiner Protzerei (als 18-jähriger Junge in der
   Oberstufe kann man das einfach nicht vermeiden) verdammt große Angst hatte,
   um nicht zu sagen, dass ich das Ereignis langsam mit einer Art Weltuntergang
   verglich. 

   Unser Jahrgang wurde nämlich vor einigen Monaten auserwählt, das
   Versuchskaninchen des neuen Zeitspiegels zu spielen. „Der Zeitspiegel ist ein
   Gerät, mit dem ihr einen schnellen, aber präzisen Einblick in euer zukünftiges
   Leben bekommen könnt. Das, meine lieben Schüler und Schülerinnen, wird
   euch euer unaufhaltsames Schicksal zeigen, wenn man den Gläubigen glauben
   soll”, erzählte gerade der Leiter des Zeitspiegelprojektes und versuchte, mit
   seinem kleinen augenzwinkernden Witz die Situation ein bisschen aufzulockern;
   aber jemandem, der so viel Charme besitzt wie eine saure Gurke, wollte das
   nicht so richtig gelingen. 

   Vielleicht lag das Ausbleiben des Lachens aber auch nur an der angespannten
   Stimmung, denn nun sollte das Experiment beginnen.

   Da ich Joshua Batiski heiße, würde ich als Zweiter an der Reihe sein, denn wir
   wurden in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen. Franziska von Adelsberg, die
   vor mir dran war, rauschte mit einem hochzufriedenen Gesichtsausdruck aus
   dem Zimmer, in dem das beängstigende Gerät platziert war, und jedem, der
   sich nach dem Ergebnis ihres Besuches erkundigte, schenkte sie nur ein
   überlegenes Lächeln. 

   Nun war ich also an der Reihe. Mit langsamen, schlürfenden Schritten ging ich
   auf die weiße Tür zu und drückte die Klinke herunter. Als ich reinkam, war ich
   erst einmal erstaunt. Ich hatte so eine Art riesige Foltermaschine erwartet, aber
   was ich in dem Zimmer vorfand, waren nur ein Spiegel an der Wand (dahinter
   saßen natürlich die Professoren, so ein alter Hut, aber man muss den alten
   Leuten den Spaß lassen), ein Stuhl und ein Tisch, auf dem ein weißes Blatt lag.
   Außerdem stand eine Lampe auf dem Tisch, und in ihren Ständer schien ein
   kleiner Taschenrechner eingebaut zu sein.

   Kaum hatte ich mich gesetzt, da dröhnte es von der Seite hinter dem Spiegel
   (die denken wohl, wir sind völlig bescheuert, spätestens jetzt hätten wir ihren
   Spiegeltrick bemerkt): „Bitte Finger auf roten Knopf zur DNS-Analyse.”
   Nachdem ich die Anweisung befolgt hatte, stand in Sekundenschnelle auf dem
   Taschenrechnermonitor eine lange Nummer. Die Lampe ging plötzlich an, und
   ihr Strahl richtete sich auf das weiße Papier ...

   Als ich wieder zur Tür herauskam, stand ich unter Schock. Auf die neugierigen
   Fragen der anderen konnte ich beim besten Willen nicht antworten. Der Einblick
   in mein späteres Leben, den mir diese grausame Maschine geboten hatte, war
   schlimmer als meine ärgsten Phantasien. Ich hatte das Bild immer noch genau
   vor Augen, auf dem ich in einer dunklen Gasse, wie ein armer Schlucker
   gekleidet, mit einem Messer in der Brust verblutete.

   Den ganzen Tag war ich in einem depressiven Nichtstun gefangen. Und erst als
   ich im Bett lag, erwachten meine Lebensgeister wieder, und ich brachte mich in
   eine aufrechte Position, um den festen Vorsatz laut zu fassen: Joshua Batiski
   wird nicht so hilflos, erbärmlich und arm sterben. Ich wollte alles gegen diese
   schreckliche Zukunftsvision tun. Mein Leben würde sich komplett ändern, meine
   schulischen Leistungen würden sich rapide verbessern, und ich würde
   irgendwann mit Hohn auf diesen Tag zurückblicken. Ich würde eine bedeutende
   Persönlichkeit werden, ich war zu Größerem geschaffen, als so einsam
   ermordet zu werden. Doch jetzt musste die große Persönlichkeit erst mal das
   Licht anmachen und zur Beruhigung ein paar CDs hören, ich hatte nämlich
   tierische Angst ...

   Es war dunkel und kalt. In meiner kaputten, zerrissenen Kleidung lief ich durch
   die Einkaufsstraße. Der Weihnachtsduft lag in der Luft, und in dieser Zeit waren
   die Menschen in einer so seligen Stimmung, dass es oft vorkam, dass sie einem
   armen Bettler wie mir auch mal ein bisschen Geld abgeben. Heute hatte mir ein
   alter Mann sogar seinen Hut geschenkt, nachdem er einen neuen erstanden
   hatte. 

   Ich war ziemlich stolz auf diesen Hut, obwohl er schon einige Flecken hatte und
   ein ziemlich altmodisches Modell zu sein schien. Plötzlich kam ein Windstoß und
   riss mir meine neue Errungenschaft vom Kopf. Ich sprang wie bescheuert auf
   und ab, um das kostbare Exemplar noch in die Hände zu bekommen, doch es
   flog davon. Wie ein Besessener lief ich hinterher. Auf dem nassen Boden einer
   menschenleeren Gasse lag das gute Stück, und ich setzte es auf mein
   unbedecktes Haupt. Als ich mich umdrehte, sah ich gerade noch das schmutzige
   Gesicht von dem Mörder, der mir mein letztes Geld klaute, bevor er mir sein
   Messer in die Brust stach ...

   Mit einem Schrei in der trockenen Kehle schreckte ich auf. Ich hatte ihn schon
   wieder geträumt, diesen Traum, den ich seit 20 Jahren träumte und der mich
   immer wieder in Angst und Schrecken versetzte. In der Dunkelheit tastete ich
   nach Lisa, ich wollte sie ganz fest umarmen, denn das war es, was mich immer
   am meisten beruhigte. Als ich ins Leere tastete, ergriff mich der grauenhafte
   Realismus meines Lebens; Lisa hatte mich gestern verlassen. 

   Ich machte das Licht an und schmiss fast die Schnapsflasche um, die mir
   gestern als Seelentröster gedient hatte. Meine Freundin hielt es nicht mehr mit
   mir aus, und ich weiß auch genau, warum, denn mein gutes Einkommen konnte
   es nicht sein, was sie ablehnte. Nein, es war meine Anhäglichkeit. Denn seit
   dem Tag vor zwanzig Jahren, an dem ich mein schreckliches Schicksal
   vorausgesehen hatte, konnte ich nicht mehr alleine sein. Ich ließ mich überall
   von meinen Bodyguards hinbringen, doch das wurde bald zu teuer, und ich
   musste wenigstens am Wochenende und zu Hause auf sie verzichten.

   Dann lernte ich Lisa kennen, und es war am Anfang auch alles noch
   wunderschön, doch durch meine Angst konnte ich nicht mal alleine den Müll
   runterbringen. Ich dachte, dass ich schon da in höchster Gefahr schwebte,
   abgestochen zu werden. Ich erzählte Lisa natürlich von meinem Problem, und
   am Anfang reagierte sie darauf auch mit Verständnis und Hilfsbereitschaft. Doch
   leider war es irgendwann zu viel für sie, sie fühlte sich ihrer Freiheit beraubt,
   und gestern hat sie es nicht mehr ausgehalten. 

   Lisa ist die neunte Freundin, mit der es mir so geht, und immer hat mich meine
   Freundin aus dem gleichen Grund verlassen. Der Tag vor zwanzig Jahren hat
   mein Leben zerstört. Man müsste ja meinen, dass ich mich als reicher
   Geschäftsmann sicher fühle, doch ich leide an Verfolgungswahn und habe schon
   oft versucht, mein Leben zu beenden. Bedauerlicherweise sind die Versuche,
   mein Problem zu lösen, alle gescheitert. Ich war bei verschiedenen Psychologen
   und eher Psychologinnen. Leider schien ich aber ein Faible für diese Art Frauen
   zu haben, denn mit jeder hatte ich ein Verhältnis. Mit der ersten machte ich
   schnell Fortschritte, und auch unser Verhältnis lief sehr gut. Dann aber meinte
   sie, ich solle mich mit meinen Ängsten konfrontieren und alleine durch eine
   dunkle Gasse gehen. Dazu sagte sie: „Entweder du gehst da jetzt durch, oder
   es ist aus!” Nun ja, sie hatte sowieso eine krumme Nase ...

   Mit meiner zweiten Psychologin machte ich auch Fortschritte, und obwohl die
   verheiratet war, lief unsere kleine Affäre bestens. Nur leider bekam ihr
   Ehemann Wind davon, und der war sehr aggressiv und gewalttätig. Nachdem
   ich aus dem Krankenhaus raus war, konnte ich mir schon wieder einen neuen
   Seelenheiler suchen. Ich entschloss mich diesmal für einen Mann, damit ich
   nicht wieder solche Probleme haben würde. 

   Natürlich verzichtete ich mit ihm auf ein Verhältnis, und es schien auch alles
   bergauf zu gehen, bis er dann eines Tages plötzlich verschwunden war und
   keiner wusste, wohin. Damit hatte ich genug von diesen angeblichen
   Wunderheilern.

   Nachdem ich mich angezogen hatte, fuhr mich mein Chauffeur in mein
   großzügig eingerichtetes Büro, in dem ich meine typische Arbeit als Chef einer
   Verpackungsfirma erledigte. Als ich gerade fertig war, piepste meine Sekretärin
   durch die Gegensprechanlage, dass noch ein paar Kunden draußen warteten,
   die mich unbedingt zu sprechen wünschten. Seufzend ließ ich sie hereinbitten.
   Die zwei Männer und die Frau, die bald darauf hereintraten, kamen mir
   irgendwie bekannt vor. 

   Die Frau, die aussah wie eine alte Emanze, drängte sich dann auch gleich mit
   einem bestimmten Gesichtsausdruck nach vorne und fing an, mit einer tiefen
   Stimme zu sprechen: „Guten Tag, Herr Batiski! Wir haben in Ihrer Jugend, es
   muss wohl ungefähr vor zwanzig Jahren gewesen sein, das Zeitspiegelprojekt
   mit Ihnen und Ihren ehemaligen Klassenkameraden durchgeführt. Wir haben
   allerdings schon längst eine Berichtigung des Ergebnisses verschickt. Das, was
   Sie dort gesehen haben, Ihren eigenen erbärmlichen Tod, war nur eine
   Erziehungsmaßnahme. Diese schreckliche Zukunftsvision haben wir mit Hilfe
   eines Computerprogramms gefälscht, um Sie, einen faulen Schüler, zu einer
   besseren Leistung anzuspornen. In Anbetracht Ihres jetzigen Reichtums scheint
   uns das ja auch gelungen zu sein, aber wir haben erfahren, dass Sie unser
   Brief, den wir nach dem Schulabschluss verschickt haben, nicht erreicht hat. In
   diesem Brief war die Berichtigung des Experiments vorzufinden. Dafür wollten
   wir uns noch mal persönlich entschuldigen.”

   Noch nie im Leben verspürte ich eine solche Wut, mein Sicherheitspersonal
   musste mich davon abhalten, diesen kleinkarierten Wissenschaftlern das Fell
   über die Ohren zu ziehen. Meine Wut war größer, als meine Angst je gewesen
   ist, und ich ließ sie in hohem Bogen rauswerfen. Erst nach Stunden hatte ich
   mich so weit wieder beruhigt, dass ich klar denken konnte, und endlich machten
   sich in meinem Körper andere Gefühle breit: Erleichterung und
   Unbeschwertheit. Ich weiß, wie verrückt es war, doch alle Angst schien von mir
   abzufallen, was mit Sicherheit auch an dem starken Beruhigungsmittel lag,
   dass, mir eingeträufelt wurde. 

   Ich hüpfte aus meinem Büro in den dunklen, kühlen Winterabend hinein, und
   das zum ersten Mal ohne Bodyguards. Schnell lief ich in Richtung meines
   Hauses, ich war glücklich wie ein kleines Kind. Ich stellte mir selbst eine
   Mutprobe und lief durch eine dunkle Gasse. Das klappte so gut, dass ich es
   noch mal versuchte. Ich wollte es einmal durch die längste mir bekannte Gasse
   schaffen. Ich setzte frohgemut einen Fuß vor den anderen, doch plötzlich blieb
   ich stehen. Ich hörte Schritte hinter mir, und meine Angst war wieder da. Das
   Blut gefror mir in den Adern, und ich hörte, wie etwas sich näherte. Ich konnte
   mich nicht mehr rühren. 

   Und erst als ich einen rasselnden Atem hörte, brachte ich es fertig, mich
   umzudrehen. Mit einem Messer zerriss er meinen Anzug auf der Suche nach
   Bargeld. Zufrieden lächelnd hielt er mein Portemonnaie in die Höhe. 

   Dann spürte ich nur noch das Messer, das sich hemmungslos in meine Brust
   bohrte, und ich fiel auf den kalten Boden.
 

 

HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe bis Klasse 9
H.Vöcks, F. Rauch: Computer-Bild: Voller Durchblick
HAZ, 15.03.2003    HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe bis Klasse 9
 
 

   Platz 3
 
 

   Schule: IGS Linden

   Klasse: 7 d 

   Autor: Henriette Vöcks, Franziska Rauch

   Thema: Leben mit dem Computer – Leben im Computer?
 
 

   Computer-Bild: Voller Durchblick
 
 

   Finden Sie nicht auch, dass Ihr Computer sich manchmal benimmt, als wäre er
   intelligent? Erinnern Sie sich: Ist es Ihnen noch nie passiert, dass Sie einen
   Befehl eingegeben haben, und bei Ihrem Computer fing es plötzlich an zu
   piepen? Wie eine Maus! Also wirklich! 

   Oder Sie versuchen, ein Spiel zu spielen – und er mal wieder: „Zu wenig
   Speicherplatz!” meldet. Als ob Sie es speichern würden! Oder Sie versuchen,
   mit dem Suchprogramm eine hundertprozentig existierende Datei zu finden.
   Glauben Sie etwa, das klappt? Natürlich nicht! Und außerdem stürzen diese
   Teile dauernd ab. Neulich zum Beispiel: Ich komme nur mal aus Versehen ganz
   sanft gegen den Rechner – und plumps, das Ding liegt auf dem Boden. Und
   kaputt war er danach auch noch. Computer leiden eindeutig an einer Schwäche
   des Immunsystems! Sollten es mal mit Actimel versuchen …

   Gegen die Gemeinheit der Computer

   Schritt 1: Nehmen Sie einen Edding, und malen Sie Ihrem Computer ein
   großes, blödes Grinsen ins Gesicht. Hilft zwar nix, aber danach fühlen Sie sich
   garantiert besser. Schritt 2: Zerkloppen Sie ihn mit einer Keule, einem Hammer
   o. ä. (Aggressionsabbau). Schritt 3: Waschen Sie den Computer mit Perwoll.
   Damit kriegen Sie ihn bestimmt weich. Der Computer ist nach diesen
   Maßnahmen vermutlich nur noch notdürftig zu gebrauchen, aber zumindest
   nervt er Sie nicht mehr!

   Vorschläge zum Gebrauch der sterblichen Überreste

   Basteln Sie sich mit einem Schweißbrenner, einem Hammer und ein paar
   Metallteilen einen modernen Hocker daraus. Versehen Sie ihn oben mit einem
   Loch, und verwenden Sie ihn als Schirmständer. Gebrauchen Sie ihn als
   Nachttisch (das geht besonders gut mit dem Tower). Oder machen Sie ein
   schnittiges Kehrblech-Set daraus. Sie könnten auch Kastenstoßen mit ihm
   machen. Auch einen formschönen Blumentopf kann man immer gebrauchen!

   Wie man sich an seinem Computer abreagiert, ohne dass er dabei draufgeht

   Nehmen Sie eine schöne, lange Feder, und kitzeln Sie ihn aus. Allein die
   Vorstellung, dass er sich schlapp lacht und tot umfällt, tut schon gut. Werden
   Sie ganz fies, und programmieren Sie ihn um. Stellen Sie einen Fernseher vor
   Ihren Computer, auf dem gerade eine Bestellwerbung für den neuesten
   Rechner läuft (als Drohung).

   Einige abschließende Stichpunkte

   Wenn Ihr Computer Sie dann immer noch nervt, haben wir noch ein paar Tipps:
   Werfen Sie ihn weg. Kaufen Sie einen neuen. Schenken Sie ihn Ihrer nervenden
   Schwiegermutter oder deren Entsprechung. 

   Weigert Ihr Computer sich, entweder auf unsere Spezialbehandlung
   anzusprechen, oder aber Sie möchten ihn aus finanziellen Gründen nicht
   beschädigen – dann sind endlich auch wir mit unserem Latein am Ende.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

   haz.de

   Veröffentlicht 14.03.2003 19:07 UHR
   Zuletzt aktualisiert 14.03.2003 20:24 UHR
 
 

 

HAZ- Schreibwettwerb: Umweltpreis
Korken, CDs, alte Brillen - was für den Müll zu schade ist
HAZ, 15.03.2003    HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe bis Klasse 9
 
 
 

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HANNOVER - NACHRICHTEN
   HAZ-Schreibwettbewerb: Umweltpreis
 
 
 

   Schule: Landesbildungszentrum für Blinde

   Klasse: BVJ-BFK-M 2

   Autor: Schüler im Alter von 17 bis 21 Jahre Thema: Umweltschutz in der Region
   /

   Recherchen zum Thema
 
 

   Korken, CDs, alte Brillen – was für den Müll zu schade ist
 
 

   Wir sammeln Korken für den Krempelhof in Uelzen. Auf der Fensterbank in
   unserer Schule steht eine große Korkenkiste. Schüler, Lehrer, Erzieher, Eltern,
   Zivis und Taxifahrer werfen dort Korken von Wein- oder Sektflaschen rein. Wir
   leeren die Korkenkiste einmal in der Woche und wiegen die Korken mit einer
   entsprechenden Waage ab. Dann verpacken wir sie. Die Korken bringen wir zur
   Werkstatt-Schule in der Nordstadt oder zu einer Sammelstelle in der Südstadt.
   Im Krempelhof werden die Korken geschreddert. Das Schreddermaterial wird
   für die Dämmung von Häusern gebraucht. Im Sommer bleibt es in den Häusern
   dann kühl und im Winter warm.

   Wir sammeln alte CDs und CD-ROMs. Auf der Fensterbank in der Schule steht
   ein Sammelständer. Wir zählen und verpacken die Scheiben und bringen sie
   zum Umweltzentrum Hannover. Von dort kommen sie zu einer Fabrik. Die
   Aluminiumschicht wird herausgemacht, und die Kunststoffscheiben werden
   geschreddert. Aus dem Material werden Computergehäuse und Stoßfänger für
   Autos hergestellt. Wir waren einmal in der Südstadtbücherei. Dort steht jetzt
   auch ein großer Sammelkarton für uns.

   Wir sammeln auch alte Brillen. Auf unserer Fensterbank in der Schule steht ein
   Brillenbaum mit vielen Öffnungen. Den haben wir selbst aus Papprollen
   gemacht. Die Kinderbrillen gehen nach Afrika und die Erwachsenenbrillen nach
   Asien.

   Für die Hildesheimer Blindenmission sammeln wir abgestempelte Briefmarken.
   Wir schneiden die Briefmarken aus Postkarten und Briefumschlägen selbst aus.
   Dann zählen wir sie und verpacken sie. Die Briefmarken kommen nach
   Hildesheim. Die Hildesheimer Blindenmission verkauft die Briefmarken an
   Großhändler. Das Geld geht an die Blindenschulen in Asien. Unser Lehrer hat
   hier ein besonderes Wort gefunden. Es heißt „Indophilhongtaichin“ und
   bedeutet: Indonesien, Philippinen, Hongkong, Taiwan und China. Die
   Briefumschläge und Postkarten schreddern wir. Das Schreddermaterial geht zu
   den Hannoverschen Werkstätten. (Das ist eine Werkstatt für Behinderte. Dort
   werden einige von uns auch einmal arbeiten.) Es wird dort zur Verpackung
   gebraucht.

   Die Briefumschläge und Briefmarken bekommen wir von der TUI, dem Verein
   zur Förderung der Blindenbildung, der Landesjägerschaft, dem Birkenhof, der
   Gemeinde Uetze, dem Verein Ökostadt und von Schülern, Eltern, Zivis und
   einer 95-jährigen blinden Frau aus Nordhorn, mit der wir in Hörbriefkontakt
   stehen. Wir haben in unserer Schule auch einen Sammelbriefkasten
   aufgehängt, den wir einmal in der Woche leeren. Leider gibt es nicht mehr so
   viele Briefmarken. Früher bekamen wir immer Kartons mit Briefumschlägen und
   Postkarten von der HAZ und von den Stadtwerken. 

   Neben dem Fotokopierer in der Lehrerbücherei und neben der Holzkiste für
   Papier im Lehrerzimmer haben wir jeweils einen Karton mit einem Schild
   aufgestellt. Darauf steht: „Einseitig bedrucktes Papier ist zu schade für den
   Müll!“ Wir schneiden daraus Notizzettel! Die Notizzettel verteilen wir an unsere
   Internatsgruppen und an unsere Klassen. 

   Auch unsere Verwaltung, unsere Küche und unsere Werkstätten kriegen welche.
   Für die Notizzettel bauen wir auch Notizzettelständer aus Holz. Für die
   Flurtelefone in der Schule haben wir besondere Halter gebaut. Hierfür müssen
   wir die Notizzettel noch lochen. 

   Von Druckereien bekommen wir manchmal unbedruckte Papierreste geschenkt.
   Wir schneiden daraus Notizzettel und geben sie einer Behörde oder verkaufen
   sie auf dem Flohmarkt. Das Geld bekommt unser Patenschüler Bo Chungnang
   in China.

   Für die Gorillas im Zoo Hannover schreddern wir altes Punktschriftpapier. Die
   Affen bauen sich daraus Kuschel- und Schlafnester und spielen auch damit. Die
   Gorillas bekamen früher Stroh und Holzwolle. Die Affen haben aber davon
   Hautausschläge bekommen und sich die Haare ausgerissen. Von unseren
   Papierstreifen bekommen sie keine Pickel. Die alten Bücher bekommen wir aus
   unserer Schule und auch von anderen Blindenschulen und
   Punktschriftbüchereien. Mit Hilfe unserer Sekretärin haben wir die Briefe dorthin
   gemailt. Aus den Buchdeckeln der alten Bücher machen wir Wortkarten für die
   Schüler aus den Klassen 1, 2 und 3 unserer Schule und für drei blinde Schüler
   aus der Klasse 1, die an verschiedenen Schulen im Land mit sehenden Kindern
   lernen.

   Wir meinen, dass wir etwas für unsere Umwelt tun. Wir arbeiten nicht nur in der
   Werkstatt. Im Gesamtunterricht reden wir auch immer wieder über alle
   Themen.
 
 
 

   haz.de

   Veröffentlicht 14.03.2003 19:16 UHR
   Zuletzt aktualisiert 14.03.2003 19:18 UHR
 

HAZ- Schreibwettwerb: Jugendpreis
Mirko Lange: Ohne Strom
HAZ, 15.03.2003    HAZ- Schreibwettwerb: Sieger der Altersgruppe bis Klasse 9
 
 
 

   [Druckversion]
   HANNOVER - NACHRICHTEN
   HAZ-Schreibwettbewerb: Jugendpreis
 
 
 

   Schule: Grundschule Bonner Straße, Hannover 

   Klasse: 4a 

   Autor: Mirko Lange 

   Thema: Leben mit dem Computer
 
 

   Ohne Strom
 
 

   Eines Tages sollten wir für die Schule Informationen über das Thema „Wetter“
   holen. Ich dachte mir gleich, dass ich auf unserer CD-ROM über das Thema
   nachschlagen kann. Als ich von der Schule wiederkam fragte ich meinen Vater.
   Er sagte: „Nach dem Mittag mach ich dir den Computer an, denn ich gehe noch
   zur Arbeit, den Rest kannst du ja schon allein.“

   Ich holte mir die Informationen zum Beispiel: „Dass das auf der Wetterkarte
   bedeutet, dass dort ein Hochdruckgebiet ist und das Tiefdruckgebiet. Dass ein
   Nordwind kalte Luft mit sich bringt. Ein Südwind bringt warme Luft mit. Ein
   Ostwind bringt trockene Luft mit. Ein Westwind bringt Regen mit.“ Ich wollte mir
   gerade die Texte ausdrucken, doch auf einmal ging der Computer aus. Ich
   dachte, er wäre abgestürzt, doch als ich den Computer wieder anschalten
   wollte, ging er nicht an. 

   Stromausfall, das war klar! Also ging ich nach unten und zündete mir ein paar
   Kerzen an. Ich holte mir meinen Block und einen Bleistift und fing an zu
   schreiben. Was mir noch einfiel und was in Lexika stand: „Ein Barometer misst
   den Luftdruck, unter 0 Grad wird aus Wasser Eis, bei 100 Grad kocht Wasser.
   Was die Bezeichnung Landwind bedeutet und was ein Seewind bedeutet. Wie
   man Wind mit Stärken 0, 2, 4, 6, 8, 9 misst. 0 heißt Windstille, 2 leichter Wind,
   4 mäßiger Wind, 6 starker Wind, 8 Sturm, 9 starker Sturm. Wie Wind eigentlich
   entsteht. Dann malte ich noch etwas zu dem Zettel und steckte ihn in den
   Ranzen. Danach las ich einen Comic. Doch auf einmal ging das Licht an, ich
   sah, dass es schon 17 Uhr war. Ich dachte mir, es wäre zu spät, um den
   Computer anzuschalten.

   Mein Vater kam gerade nach Hause und fragte, ob alles geklappt hat? Ich
   erzählte vom Stromausfall und wie ich doch noch den Text hinbekommen habe,
   und zwar mit meinem Grips und Texten der Lexika.

   Daraus lernt man, dass man nicht immer den Computer einschalten muss.
 
 
 

   haz.de

   Veröffentlicht 14.03.2003 19:19 UHR
   Zuletzt aktualisiert 14.03.2003 19:21 UHR

A

HAZ- Schreibwettwerb: Publikumspreis
Léon Auffenberg: Vom Professor zum Penner ?
HAZ, 15.03.2003    HAZ- Schreibwettwerb:  Publikumspreis

   Schule: IGS Linden, Hannover

   Klasse: 10 F 

   Autor: Léon Auffenberg

   Thema: Was kommt nach der Schule? Perspektiven für die Zukunft
 
 

   Vom Professor zum Penner?
 
 

   Polizist, Lokomotivführer oder Feuerwehrmann, das will fast jeder Junge einmal
   werden. Auch ich.

   Früher, da war das noch einfach. Doch jetzt steht man häufig vor Fragen wie:
   „Wollen Sie lieber eine Ausbildung als Sozialversicherungsfachangestellter
   absolvieren oder ein Kaufmann für Bürokommunikation werden?“ Mit solch
   quälenden Fragen sind die meisten von uns überfordert. Eigentlich ist es doch
   ganz einfach: mMan wird Anwalt oder Arzt und verdient dann viel Geld. Abitur
   machen, sechs Jahre studieren und fertig. Doch was ist, wenn man sich nach
   neun Jahren endloser Paukerei für einen anderen Beruf entscheidet, wie z. B.
   den eines Frisörs? Man wäre knapp 30 und hätte die Oberstufe sowie die Uni
   völlig umsonst besucht. Eine schreckliche Vorstellung. Da sollte ich lieber gleich
   nach der Zehnten zum Supermarkt von nebenan gehen und mich als Kassierer
   bewerben. Keine weitere Zeit mit dem öden Lernen verbringen, sondern gleich
   Kohle machen! Doch von richtiger Kohle kann man ja eigentlich nicht reden,
   eher von Kohlenstaub. Und auch sonst ist diese Arbeit wahrscheinlich
   langweiliger als Schule oder „Das Wort zum Sonntag“.

   Also was tun? Vielleicht sollte man doch lieber
   Sozialversicherungsfachangestellter werden und sich keine weiteren Gedanken
   machen. Oder einfach gar nicht arbeiten, wie zum Beispiel ein Penner im Park.
   Ich würde dann trotzdem Sozialhilfe kriegen und mir davon immerhin ein paar
   Biere pro Tag kaufen können. Aber was, wenn der Winter kommt oder meine
   alten Freunde mich so auf der Parkbank sehen?

   Nein, all das ist sowieso utopisch. Ein normales Leben würde vermutlich so
   aussehen: mit 17 Realschulabschluss, mit 21 Ausbildung als Kfz-Mechaniker
   abgeschlossen, mit 25 Hochzeit, mit 28 Geburt des zweiten Kindes, mit 32
   Trennung, mit 45 neuen festen Partner gefunden, mit 65 Rente, und mit 81
   Jahren würde man ins Gras beißen. Doch wer will schon ein „normales Leben“
   führen? Reich werden, Erfolg haben, darauf kommt es scheinbar in unserer
   Gesellschaft an. Man könnte also Popstar werden, somit wäre man reich und
   zugleich auch erfolgreich. Doch das schafft man ja sowieso nicht. Da wäre es
   schon leichter, Drogendealer zu werden. Mit dem Job könnte man sich eine
   Stange Geld verdienen und hätte nebenbei auch noch Erfolg auf seine Art und
   Weise. Folglich könnte man sich mal in der kriminellen Branche umsehen: Da
   könnte man noch Autos klauen, in Häuser einbrechen oder Leute erpressen.
   Aber natürlich haben all diese Berufe ein großes Problem: Für solche
   Tätigkeiten wird man auf dieser Welt für gewöhnlich eingesperrt, und das wäre
   ein Nachteil. Schwarzarbeit wäre da schon aussichtsreicher, macht immerhin
   fast jeder Vierte von uns.

   Obwohl, kommt es denn wirklich in unserer Welt darauf an, reich und
   erfolgreich zu sein? Wieso hat sich dann Rex Gildo aus dem Fenster gestürzt?
   Eigentlich ist doch wichtig, mit seinem Leben und Beruf glücklich zu sein, ob
   man dabei reich ist oder nicht. Auch ein reicher Professor, der sein Leben lang
   Erfolg hatte, kann am Ende deprimiert sein, weil ihm auch die Auszeichnung
   zum besten Physikprofessor an der Universität Heidelberg nicht die Freude
   gebracht hat, die er sich erwünscht hatte. Aus einer Flasche Rotwein am Abend
   werden zwei, und nach drei Jahren liegt der ehemalige Prof. Dr. Müller bei den
   gleichen Pennern im Park, die er vor fünf Jahren noch angewidert angeguckt
   hatte. Man weiß daher nie, was aus einem einmal wird. Es liegt immer an einem
   selbst, ob man als Putzmann glücklich wird oder als Physiker unglücklich.

   Vielleicht sollte man wirklich Lokomotivführer werden und beim Anblick der
   großen Loks und bunten Waggons glücklich werden … 
 
 
 

   haz.de

   Veröffentlicht 14.03.2003 19:22 UHR
   Zuletzt aktualisiert 14.03.2003 19:24 UHR
 
 

 


 
 
 
 

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