Stadt-Anzeiger West, 18.03.2004 Theater / Musik Fast so wie im wirklichen
Leben Das vorwiegend junge Publikum im
Musikzentrum in der Emil-Meyer-Straße war sich am Schluss der Vorführung
einig: „Klasse gemacht!“ Offenbar sprach das Streetmusical „Jugend(frei)!“,
das bereits eine Woche zuvor in Linden Premiere gefeiert hatte, auch die Jugendlichen
in Vahrenwald an. Wen wundert’s? Schließlich stammen die Geschichten
in dem Bühnenstück aus dem Leben junger Menschen und werden auch
von Zwölf- bis 19-Jährigen, vorwiegend aus Linden, auf die Bühne
gebracht. Der Inhalt des
Stückes ist schnell erzählt: Mike und Melanie sind verliebt und
stecken bis zum Hals in Schwierigkeiten. Melanie, die erst 15 Jahre alt
ist, traut sich weder ihrem Freund noch ihren Eltern zu erzählen, dass
sie schwanger ist. Mike hingegen hat keinen Job und lässt sich aus Geldnot
auf Drogengeschäfte ein. Drumherum gibt es zahlreiche kleine Episoden,
die sich um die Probleme von Jugendlichen drehen. Dabei geht es vor allem
um die Themen Gewalt und Drogen sowie Liebe und Freundschaft. Vieles davon
könnte sich so oder so ähnlich auch im wirklichen Leben abspielen,
die Szenen des Musicals sind jedoch frei erfunden.
„Im richtigen Leben geht es zum Glück nicht so turbulent zu“, sagt Anne-Kathrin,
die im Stück Melanie heißt und eine von insgesamt 50 Mitwirkenden
ist. Für das Stück, in dem Theater, Musik und Tanz miteinander
verknüpft sind, haben die einzelnen Gruppen aus dem zehnten Jahrgang
der Integrierten Gesamtschule (IGS) Linden und aus dem Jugendzentrum Posthornstraße
mehr als sechs Monate lang Woche für Woche geprobt. Und auch manches
Wochenende wurde gern dafür geopfert. Unterstützt wurden die Jugendlichen
von elf pädagogischen und künstlerischen Fachleuten. So half beispielsweise
Kerstin Georgi, eine Bühnenbildnerin des Ballhofs,
beim Entwerfen des Bühnenbildes, und zwei Theaterpädagogen entwickelten
mit den Zehntklässlern aus dem Theater-Wahlpflichtkurs der IGS den dramaturgischen
Aufbau der Geschichte. „Wir haben lange an den einzelnen Parts gefeilt,
damit alles gut zusammenpasst“, sagt Pädagogin Christiane Brettschneider,
die gemeinsam mit ihrem Kollegen Björn Klomp die jugendlichen
Schauspieler schulte. Die Idee für
das Theaterprojekt gegen Gewalt war vor einem Jahr im Jugendzentrum Posthornstraße
in Linden-Süd entstanden. „Wir wollten etwas gegen den allgemeinen
Freizeitfrust machen“, sagt Sozialpädagogin Christina Glahn.
Die Interessen vieler Jugendlicher sollten in einem großen Projekt
zusammengebracht werden. Um das Musical aber verwirklichen und schließlich
aufführen zu können, brauchten die Mitarbeiter des Jugendzentrums
finanzielle Hilfe. Die bekamen sie von zahlreichen Sponsoren, wie beispielsweise
dem Kreisjugendwerk der Arbeiterwohlfahrt, der niedersächsischen Lottostiftung
oder dem Förderverein der IGS Linden. „Das Ergebnis belegt den
Erfolg dieser Arbeit“, meint Matthias Pfau, Lehrer an der IGS.
lo Weitere Aufführungen
gibt es am Donnerstag, 18. März, im Unabhängigen Jugendzentrum Glocksee
und am Freitag, 19. März, in der IGS-Linden. Beide Aufführungen
beginnen um 19.30 Uhr. BILD: In ihrem Streetmusical verknüpfen
die jungen Darsteller Theater, Musik und Tanz miteinander.
Heuer |