Stadt-Anzeiger WEST 30.11.2000

Die Sonne soll das Wasser wärmen

Foto: Stadt-Anzeiger WEST: Umweltdezernent Hans Mönninghoff und Umweltminister Wolfgang Jüttner nehmen die Solaranlage offiziell in Betrieb.

Schüler der Integrierten Gesamtschule Linden haben mit dem Bau einer thermischen Solaranlage das erste von drei geplanten Projekten verwirklicht.

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Linden setzt auf Sonnenenergie: In einem zweiwöchigen Schulprojekt errichteten 25 Schüler auf dem Dach des Schulsportzentrums am Lindener Berge eine thermische Solaranlage. Die Anlage, die künftig die Warmwasserversorgung unterstützen soll, wurde jetzt von Hannovers Umweltdezernent Hans Mönninghoff offiziell in Betrieb genommen. Angesichts des grauen Nieselwetters zeigte das aufleuchtende Display zwar keine aktuelle Leistung an. Übers Jahr verteilt solle die Anlage jedoch etwa 19.000 Kilowattstunden Solarstrom erzeugen — und somit vier Tonnen Kohlendioxid einsparen, erläuterte Jürgen Ebert vom Planungsbüro SunConsult.
Foto: hs: Nach langen Reden gab's zur Belohnung einen Baukasten und lustige Mützen für Lehrer und Schüler.

Schulleiter Christoph Walther bedankte sich bei den Schülern, Lehrern, Sponsoren und Projektpartnern für die effektive Zusammenarbeit. Er sei stolz auf die größte, von Schülern selbst gebaute thermische Solaranlage in Deutschland, mit der die IGS einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Umweltschule getan habe. Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner lobte die Initiative der Schule als sinnvolles Konzept der Umweltbildung und Baustein des Klimaschutzes. Komplimente auch von der Lindener Bezirksbürgermiesterin Barbara Knoke, die den Beispielcharakter solcher Schulen hervorhob und der Schule eine "sonnige Zukunft" wünschte.
In zweiwöchiger Projektarbeit hatten die Schüler der IGS Linden unter fachlicher Anleitung von SunConsult die Anlage aufgebaut. Im Sommer könne die bislang ganzjährig aufgebaute Gasheizung künftig komplett ausgeschaltet werden, im Winter reiche die Sonnenenergie immer noch für das Vorheizen des Wassers aus, erläuterte Jörg Ilsemann, der als Lehrer im Fachbereich Naturwissenschaften das Projekt mit betreut hat. Finanziert wurde die rund 100.000 Mark teure Anlage mit Zuschüssen von proKlima, dem Kommunalverband Großraum Hannover, der Deutschen Stifung Umwelt, Bingo-Lotto und dem Bezirksrat — nur knapp 2000 Mark musste die Schule selbst aufbringen.Foto: hs: Polyxeni und Merve wollten freiwillig (!!) auch etwas zum Thema sagen.
  Die beteiligten Schüler der Klassen neun bis dreizehn wurden für die Arbeit am "Sonnendach" in drei Wochen eingeteilt: Die einen verlegten die Rohre zur Lüftungsanlage, die anderen bauten die Kollektoren zusammen, und die dritte Gruppe sorgte für die Installation auf dem Dach. Für die 14 Projekttage tauschten die Schüler den Unterricht gegen täglich acht Stunden hämmern, löten, bohren und schweißen. Die Schüler seien mit großem Engagement dabei gewesen, sagt Christian Deußing von Corona Solar. "Das Projekt hat einen Riesenspaß gemacht" bestätigen Polyxeni und Merve aus der zehnten Klasse. Die Schülerinnen haben in der "Kollektoren-Gruppe" Kollektoren-Bausätze zusammengesetzt und besonders am Bohren und Löten gefallen gefunden. Trotz Lötzinnflecken freuen sie sich schon auf das nächste Projekt, die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Bibliothek, die vermutlich im Sommer in Angriff genommen wird. Karsten, ebenfalls aus der zehnten Klasse kann sich der Begeisterung nur anschließen. Als Gruppenleiter bei den "Rohrverlegern" hat er allein etwa 50 Meter Rohre verlegt — und sich damit ebenso wie Polyxeni die besondere Anerkennung des SunConsult-Planers Jürgen Ebert verdient.
Dank ihres fleißigen Einsatzes können zwei der Schüler übrigens auf eine Zukunft im sonnigen Geschäft hoffen: Demnächst fangen sie als Praktikanten beziehungsweise Lehrlinge bei Corona Solar an.
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